Brotomorphose

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Es ist schon erstaunlich, was man alles mit Brot machen kann, vom üblichen belegten Brot mal abgesehen. Brotreste werden gebraten, gebacken, in Saucen gerührt und zu guter letzt auch als Semmelbrösel verwertet. Wie gut und einfach das sein kann, habe ich euch mit Apfelrösti und Panade, einem französischen Zwiebelauflauf schon gezeigt.

Schön, dass das Thema altes Brot auch beim Blogevent von Zorra und Christine von Anna Antonia aufgegriffen wird. Denn, Reste vermeiden ist ökologisch wie ökonomisch erstrebenswert und bringt euch so manches leckere Gericht auf dem Teller, das zumeist sehr einfach zuzubereiten ist. Und sonst weckt es vielleicht die eigene Kreativität? Wer weiß!

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Ich habe beim Durchblättern eines Dessertbuchs zuletzt den kreativen Einfall eines anderen (Harald Rüssel) gesehen und dachte: Das machste! Roggenbroteis! Klingt komisch? Find ich nicht. Es gibt zwar die typischen Sorten Vanille, Schoko, Erdbeer (und das wahrscheinlich überall), aber, wenn man über den Tellerrand schaut, sieht man Eis mit Popcorn- oder Cornflakesgeschmack. Da finde ich Roggenbroteis absolut nicht abwegig.

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Etwas Süßes und etwas Erdiges kommt zur Dessertkreation noch hinzu: Rote Bete-Ganach, die aufgrund der enthaltenen weißen Schokolade wirklich süß (aber lecker! und die Farbe!) ist und in Gewürzen gegarte rote Bete als Kontrapunkt. Ein bisschen Schmand, ein paar knusprige Brotwürfel, etwas Olivenöl.. insgesamt ein ziemlich aufwendiges Dessert, das sich in Teilen aber gut vorbereiten lässt.

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Das Brot habe ich als Roggenmischbrot selbst gebacken, gekauftes geht natürlich auch.

Nun, ob jeder jeden Bestandteil benötigt, bleibt einem selbst überlassen. Die Rote Bete (obwohl ich die sehr mag), hätte ich rückschauend nicht wirklich gebraucht. Der Rest ist einzeln lecker, zusammen aber richtig gut. Ein Dessert, mehr oder minder, für einen hier im Haus – der Mann mag keine rote Bete..

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Dessert mit Roggenbroteis

für 3-4 Portionen

für das Eis

  • 75g dunkles Roggenbrot
  • 300ml Milch
  • 10g Magermilchpulver
  • 1 Prise Salz
  • 25g Zucker
  • 1 TL Honig
  • 1 Eigelb

Backofen auf 180°C vorheizen, das Brot entrinden und in einem Zerkleinerer zu Krümeln verarbeiten. Auf ein mit Backpapier ausgelegtes Backblech geben und 12-15 Minuten trocken und duftend rösten. Etwa 1 TL der Krümel zum Dekorieren beiseite legen.

Herausnehmen, etwas abkühlen lassen und zur Milch geben. Einige Stunden im Kühlschrank ziehen lassen. (In der Zwischenzeit könnt ihr die Ganache und die Rote Bete zubereiten.) Anschließend durch ein Haarsieb geben und die Brotkrümel auspressen, so dass etwa 225ml Milch übrig bleiben. (Ich hatte weniger und habe mit Milch aufgefüllt.)

Milch in einem Topf mit Milchpulver, Salz, Zucker und Honig aufkochen, Eigelb unter Rühren zugeben und bei geringer Hitze unter ständigem Rühren bis zum Andicken erhitzen. Die Mischung darf nicht zu heiß werden, damit das Ei nicht ausflockt. Durch ein Haarsieb geben und im Kühlschrank abkühlen lassen, anschließend in der Eismaschine gefrieren lassen.

für die Ganache

  • 100 weiße Schokolade
  • 50ml Rote-Bete-Saft
  • 1 Prise Salz
  • 1 EL Honig
  • 10g Butter in Flöckchen

Schokolade hacken und auf dem Wasserbad schmelzen. In einem kleinen Topf Saft mit Salz und Honig  aufkochen. Portionsweise unter ständigem Rühren in die geschmolzene Schokolade einrühren, bis eine homogene Masse entstanden ist, dann die Butter zügig einrühren (kann man auch mit einem Pürierstab unterziehen). In eine kleine Schale umfüllen und am besten über Nacht auskühlen lassen.

für die Rote Bete

  • 1 faustgroße Knolle Rote Bete
  • 1 kleine Vanilleschote
  • 1 Sternanis
  • 1 Prise Salz

Rote Bete von Blättern und Wurzeln befreien, mit einer Gemüsebürste reinigen. Vanilleschote längs aufschneiden, Mark herauskratzen und das Mark sowie die Schote in einen kleinen Topf mit Rote Bete, Salz und Sternanis geben. Mit Wasser mindestens bis zur Hälfte auffüllen. Etwa 45 Minuten sanft köcheln lassen, bis die Rote Bete gar ist. Ggf. zwischenzeitlich Wasser nachfüllen. Rote Bete abgießen, auskühlen lassen und schälen.

In Würfel schneiden.

für die Schmandcreme

  • 100g Schmand
  • 1 Prise Salz
  • 1/4 TL Zitronensaft

Schmand mit Zitronensaft und Salz cremig aufschlagen und in einen Spritzbeutel füllen.

zum Anrichten

  • einige größere Würfel Roggenbrot, mit etwas Öl beträufelt bei 180°C wie oben knusprig im Ofen gebacken
  • etwas Öl (ich habe Kaffee-Olivenöl von artefakt verwendet)
  • frische Minze oder Melisse

Die Ganache mit einem Löffel als Nocke aus der Schüssel holen und auf den Teller setzen, nach Belieben mit einem Löffel etwas verstreichen. Eis als Nocke abstechen und anrichten, Rote Bete und Brotwürfel verteilen und die Schmandcreme als kleine Tuffs dazusetzen. Mit Kräutern, ein paar Tropfen Öl und Brotkrümeln dekorieren.

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Aus:

Salate, Pasta und mehr mit Brot findet ihr hier:
Blog-Event CXLIV - altbacken {Resteküche für altes Brot} (Einsendeschluss 15. August 2018)

{Werbung} Knusprig gebettet

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Wie schön es doch ist, in Kissen zu versinken. In kleinen knusprigen Kissen. Natürlich sind diese hier gebacken und mit einer schokoladigen Mischung aus Neapolitanerwaffeln gefüllt und mit Puderzucker bestäubt. Ein Träumchen!

Einfach gemacht sind die Kissen zudem auch noch. Der Teig muss ein wenig ruhen, dann kann es losgehen. Entweder mit der kleinen Küchenhilfe, die bei Meine Backbox beilag, oder mit Ausstechern, Ravioliform, einem Teigrädchen.. das bleibt euch überlassen!

Dann die Füllung dazu und ab in den Ofen!

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Neapolitaner-Kissen

je nach Ausstechergröße für 40-50 Stück

  • 480g Mehl
  • 75g Zucker
  • 1 Ei und etwas für die Eistreiche
  • 2 EL neutrales Öl
  • 200g Wasser
  • 150g Neapolitanerwaffeln
  • 50g flüssige Butter
  • 3-4 TL Milch
  • Puderzucker

Zuerst Mehl, Zucker, Ei, Öl und Wasser verkneten. In Frischhaltefolie gewickelt mindestens eine Stunde im Kühlschrank ruhen lassen.

In der Zwischenzeit die Waffeln grob zerbrechen und in einer Küchenmaschine fein mahlen oder im Mörser fein zerstoßen. Mit flüssiger Butter und etwas Milch zu einer streichfähigen Masse verrühren.

Ofen auf 180°C Ober-/Unterhitze Teig auf einer leicht bemehlten Fläche ausrollen und ausstechen. Auf die Hälfte der ausgestochenen Teilchen in der Mitte etwa 1/2 TL Neapolitanermasse geben und ein weiteres Teigteilchen daraufsetzen. An den Rändern mit den Ringerspitzen festdrücken. Ggf. etwas Wasser als „Kleber“ verwenden.

Auf mit Backpapier ausgelegten Backblechen verteilen und 18-10 Minuten goldbraun und knusprig backen. Abkühlen lassen und mit Puderzucker bestäuben.

Das Rezept stammt auch aus der Maibox von MeineBackbox.

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Synchrones Butterballett

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Blätterteig selbst herstellen ist ja tatsächlich schon etwas arbeitsintensiv. Eine Herausforderung wird das Ganze bei sehr sommerlichen Temperaturen, die natürlich auch vor der Küche nicht haltmachen.

So geschehen am Pfingstsonntag. Der Anlass: Synchronbacken mit Zorra vom Kochtopf und Sandra von From snuggs kitchen. Ich glaube, sonst wäre ich auch nicht drauf gekommen. Neben gut gekühlter Butter sollte man auch etwas Geduld und Zeit mitbringen. Der Teigansatz muss nämlich über Nacht oder zumindest einige Stunden gehen und auch das Verarbeiten selbst dauert ein Weilchen.

Das Ergebnis: Leckere Schokobrötchen und Croissants, die am Backtag richtig lecker sind. IMG_8817

Also, wie bekommt man die Butter unter Kontrolle und die Choreographie von Gare und Tourieren mit dem Nudelholz hin? Mit einem ausgefuchsten Rezept nach Julia Child, die vielen vielleicht durch den Film Julia & Julia bekannt ist, in dem sie durch Maryl Streep verkörpert wird.

 

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Croissants oder Schokobrötchen (Pain au chocolat) nach Julia Child

für 6 große Croissants oder Schokobrötchen

  • 7 g Frischhefe oder 3 g Trockenhefe
  • 30 ml lauwarmes Wasser
  • 15 g Zucker
  • ca. 225 g Weizenmehl 550 & mehr zum Bearbeiten
  • 10 g Zucker
  • 9 g Salz
  • 120 g lauwarme Milch
  • 2 EL Sonnenblumenöl
  • 150 g kalte Butter
  • 1 Ei zum Bestreichen
  • für Schokobrötchen noch 12 Schokoriegelchen, z.B. diese* oder schnittfeste Nougatmasse

Zunächst die Hefe mit 5g Zucker und dem Wasser in einer Schüssel vermengen und etwa 10 Minuten stehen lassen, bis sich Bläschen bilden.

In der Zwischenzeit die Milch lauwarm erwärmen, Zucker und Salz einrühren und darin auflösen. Mehl, die Milch sowie das Öl zur Hefemischung geben und auf kleinster Stufe 4 Minuten mit der Küchenmaschine kneten. Ist der Teig zu feucht noch etwas Mehl zufügen. Weitere 4-5 Minuten auf kleinster Stufe kneten.

Bei etwa 23°C den abgedeckten Teig 3 Stunden gehen lassen. Das Volumen sollte sich in der Zeit verdreifachen. Anschließend den Teig aus der Schüssel nehmen, auf die bemehlte Arbeitsfläche geben und mit den Händen in ein Rechteck von etwa 20x30cm drücken. Den Teig falten: Dazu das obere Drittel über das mittlere Drittel klappen und dann das untere Drittel darauflegen.

Den Teig wieder in die Schüssel geben und abgedeckt weitere 1,5 Stunden bei Zimmertemperatur oder über Nacht im Kühlschrank gehen lassen.

Während der Teig geht, kann die Butterplatte zubereitet werden. Ich habe dazu kalte Butter in etwa 3mm dünne Scheiben geschnitten, nebeneinander auf einen Bogen Backpapier gegeben und einen zweiten Bogen daraufgelegt. Die Butterstücke sollen nun mit einem Nudelholz sanft zu einer Fläche von etwa 25x20cm gedrückt werden. Dann in den Kühlschrank oder besser den Gefrierschrank legen und wieder fest werden lassen.

Hat der Teig sein Volumen verdoppelt, kann die Butter eingearbeitet werden:

Damit der Teig etwas entspannt, aus der Schüssel nehmen, auf die bemehlte Arbeitsfläche legen und 2-3 Minuten ruhen lassen. Mit den Händen zu einer Fläche von 35x20cm drücken. Die eine Seite des Backpapieres vorsichtig von der Butterplatte lösen, auf die obere Teighälfte legen, so dass noch etwa 1cm zu den Seitenrändern frei bleibt und vorsichtig den zweiten Bogen Backpapier abziehen.

*Erneut falten: Das untere Drittel des Teiges über das mittlere Drittel klappen und anschließend das obere Drittel darauflegen. Den Teig um 90° drehen und nun vorsichtig zu einem Rechteck von 35x20cm ausrollen. Dabei darf die Butter nicht aus dem Teig herausgedrückt werden! Den Faltvorgang wiederholen: Das obere Drittel über das mittlere legen, dann das untere darüber.*

Den in Folie oder Backpapier eingewickelten Teig für 2 Stunden im Kühlschrank gehen lassen. Dann auf die bemehlte Arbeitsfläche legen, die längere Seite zeigt zu dir. Den Teig mit dem Nudelholz vorsichtig etwas flach drücken.

Nach 10 Minuten Ruhezeit und wiederum zu einer Fläche von 35x20cm ausrollen. Anschließend die Schritte * bis * wiederholen.

Auch jetzt muss der Teig entweder für weitere 2 Stunden in den Kühlschrank oder aber über Nacht. Um zu verhindern, dass der Teig zu stark aufgeht, muss er allerdings mit einer Platte o.ä. beschwert werden.

Nach dieser letzten Gare wird der Teig verarbeitet. Dazu den Teig aus dem Kühlschrank nehmen, auspacken und etwa 20 Minuten Temperatur bekommen lassen. Zu einem Rechteck von 40×15 cm ausrollen. Für Croissants nun quer dritteln und diese Drittel jeweils diagonal in zwei etwa gleiche Dreiecke teilen. Von der langen Seite her aufrollen und halbmondförmig auf mit Backpapier ausgelegte Backbleche legen.

Für die Schokobrötchen ebenfalls drei mal quer teilen und anschließend jedes Drittel in zwei etwa gleiche Quadrate schneiden. Eine Stange Schokolade oder Nougat an den Teigrand legen, den Teig umschlagen und mit der anderen Seite und einem zweiten Riegel Schokolade/Nougat ebenso verfahren. So entsteht ein Schweineohr, formmäßig. Auf ein mit Backpapier ausgelegtes Backblech geben.

Zugedeckt 2-3 Stunden zur dreifachen Größe aufgehen lassen. Zum Ende der Gare hin den Ofen auf 250°C vorheizen. Das Ei mit 1 TL Wasser verschlagen und mit einem Pinsel auftragen.

10-12 Minuten backen, dabei öfters mal einen Blick in den Ofen werden. Die Gebäcke sollen knusprig goldbraun werden.

Mit dabei waren neben

Zorra mit klassischen Croissants

und Sandra mit Croissants und Schokobrötchen

noch Steffi mit Dinkelcroissants die ganz toll aussehen

Birgit, Dagmar, Tina  und Caroline sowie Simone ebenfalls klassisch unterwegs

Conny und Manuela haben wie ich auch beide Varianten probiert

Es war wieder eine Freude und eine Herausforderung!

Schönbrot

Bei den Scones, die ich hier gebastelt habe, würde man wohl eher von Biscuits sprechen. Und da kommen wir auf UK/USA-Sprachdifferenzen zu. Denn Biscuits sind in den Staaten keine Kekse, sondern eben eher brötchenartige Gebäckstücke, wie die britischen Scones eben. Bei letzteren sind nun aber weniger weitere Zugaben zum Teig (Nüsse, Schokolade, Früchte,…) zu finden, als bei den amerikanischen Biscuits.

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Aber gut, ich mag die Bezeichnung Scone da eben eher. Und die kommt wiederum über kurz oder lang vom Wort schoonbrood, niederländisch für Schönbrot, also eher Feingebäck. Man lernt ja nie aus.

Mein Mehl ist nicht ganz so fein ausgemahlen, ich wollte gerne das Bio-Weizenmehl 1050 vom Hobbybäckerversand testen und habe daher eher rustikale, aber auch etwas gesündere Scones gebacken. Damit kein zusätzlicher Zucker in den Teig muss, habe ich auf Cranberries und Aprikosen sowie etwas weiße Schokolade zurückgegriffen.

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Das war eine gute Entscheidung, auch, wenn der Mann sich über mehr Schokostücke gefreut hätte. Da bleibt euch die Freiheit überlassen, mehr zu verwenden, die Trockenfrüchte auszutauschen –  ihr kennt das.

Im Gegensatz zu den typischen Scones braucht man meiner Meinung nach aber auch keine zusätzliche Marmelade o.ä., sie sind so als Kuchenbrötchen optimal zum Mitnehmen, vielleicht für das erste Picknick? oder zum Brunch, Kaffee, Frühstück,…!

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Scones ohne Buttermilch mit Trockenfrüchten und Schokolade

für 8 Stück, eine Form mit 20cm Durchmesser

  • 230g Mehl 1050
  • 1 Packung Backpulver
  • 1 Prise Salz
  • 55g kalte Butter in Stücken & etwas zum Fetten der Form
  • 175ml Milch
  • 50g getrocknete Aprikosen in Würfeln
  • 50g getrocknete Cranberries, grob zerkleinert
  • 100g weiße Schokolade grob gehackt

Ofen auf 180°C Umluft vorheizen, eine Backform mit Backpapier auslegen und mit Butter am Rand fetten.

Mehl, Backpulver und Salz mischen, Butter und Mehl zugeben und kurz unterkneten. Nun die Früchte und Schokolade hinzufügen und ebenfalls schnell einarbeiten.

Teig in die Form drücken und mit angefeuchteten Fingern bzw. einem Spatel gleichmäßig verteilen und glatt streichen. Ich habe ebenfalls mit der Teigkarte grob acht Portionen abgeteilt.

25-30 Minuten goldbraun und knusprig backen. Die Schokolade soll dabei schmelzen, der Teig aber durchgebacken sein. Stäbchenprobe!

Abgeändert von hier.

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Mein zweiter Beitrag zu Zorras Hobbybäcker-BlogEvent! Es gibt schon einige tolle Beiträge für herzhafte Brote, schaut mal vorbei! Blog-Event CXL - Brot und Brötchen für den Brunch in Kooperation mit Hobbybäcker (Einsendeschluss 15. April 2018)

Von Prapsschnalinen

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Das Känguru* lässt grüßen 😉 Nachdem ich am Wochenende wieder daran erinnert wurde, dass die Lieblingsnascherei des Beuteltieres Schnapspralinen sind (und es doch noch mehr Liebhaber gibt – die Familie findet es aus unbegreiflichen Gründen nicht lustig, den Mann nervt die Stimme des Kängurus beim Hörbuch.. seufz..), war die Idee geweckt, doch selbst mal welche herzustellen.

Allerdings nicht die üblichen mit Weinbrand, Likör oder Obstler gefüllten Exemplare, die landen hier nämlich gern als milde Gabe bei den Kollegen. Stattdessen steckt ein anderer Hochprozentiger darin.

IMG_8250In unserem Hause wird gern Gin Tonic getrunken. In allen möglichen Varianten. Fruchtig, herb, mit Kräutern.. der Gin hat dem Whiskey zumindest in der Häufigkeit den Rang abgelaufen. Des Mannes Whiskeysammlung ist dennoch (noch) größer. Aber auch da ist der Grund, dass sich die Ginflaschen einfach schneller leeren.

Das heißt nicht, dass es hier jeden zweiten Abend einen Longdrink gibt, das wäre doch etwas viel. Aber so ab und an am Wochenende..

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Wenn euch Gin als Spirituose ebenfalls liegt, könnt ihr aber auch gern etwas anderes probieren: Gin zum Kauen. Oder Lutschen, je nachdem. Zusammen mit Zitrusaromen und Schokolade gibt Gin ganz schnabulöse Pralinen ab, die auch noch so einfach herzustellen sind und auch noch tolle (Oster-)Geschenke abgeben!

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Gin-Limetten-Trüffel

für etwa 25 Trüffel

  • 200g Zartbitterschokolade
  • 2 EL Schlagsahne
  • 2 EL Gin (s. Hinweise unten)
  • 1 EL Limettensaft
  • 1 EL Tonic (ich habe Fevertree Indian Tonic Water* verwendet)
  • 80g weiße Schokolade
  • Zesten von 1 Bio-Limette

Zartbitteschokolade und Sahne über dem Wasserbad in einer Schüssel schmelzen, dabei verrühren. Nicht zu stark erhitzen, damit die Schokolade sich nicht trennt. Gin, Limettensaft und Tonic zugeben und unterrühren.

Die Schüssel abkühlen lassen und dann mindestens 3 Stunden in den Kühlschrank stellen.

Mit einem Teelöffel portionsweise von der Schokoladenmasse abstechen und am besten mit kühl gewaschenen und abgetrockneten Händen zu Kugeln formen. Auf ein kleines Blech o.ä. setzen und für mind. 30 Minuten einfrieren – länger macht nichts!

Zum Verzieren die weiße Schokolade in einem Wasserbad schmelzen. Die Kugeln einzeln in die weiße Schokolade geben und am besten mit einer Pralinengabel (ich habe eine in Spiralform verwendet) wenden und rundherum bedecken. Auf ein Gitter zum Abtropfen geben und sofort Limettenzesten darauflegen. Durch die eingefrorenen Kugeln wird die Schokolade sehr schnell fest.

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Ein paar Tipps zum Thema Gin:

Wir haben inzwischen einige Sorten durchprobiert. Für die Trüffel darf es ruhig ein aromatischer, kräftiger Gin sein. Dabei spielt nicht nur die typische Wacholdernote eine Rolle.

Wenn ihr es orientalisch-würzig mögt und der Gin auch nach Ingwer und Pfeffer schmecken darf, probiert Ophir*. Die Flasche ist außerdem sehr schön gestaltet.

Das Aroma der Tonkabohne, welches süßlich und ganz eigen ist, steckt in Tonka Gin*. Nicht jedermanns Sache, aber ich mag ihn.

Intensiv nach Erdbeer schmeckt Mombasa Club in der Strawberry Edition*

Auch der Brockmans* schmeckt unverkennbar nach Beeren.

Eine leichte Bitternote hat der Saffron-Gin.

Nordes* und Larios* (auch zu empfehlen: Larios 12*, war aber schon alle :D) sind zitrusfrisch.

In die Kategorie fruchtig gehört auch der Blickfang im Regal: Hero Gin* – nur echt mit Superheldenumhang! Und auch Jans Liebling Madame Geneva in weiß* oder rot* darf hier nicht fehlen.

Botanist* (für mich eine der schönsten Flaschen. Buchstabenprägung im Glas, die Botanicals sind so verewigt) ist ein eher milder Gin, und hierfür vielleicht schon zu wenig spürbar, ebenso würde ich den sonst sehr schmackhaften Spitzmund* aus diesem Grund nicht für die Trüffel verwenden.

Gerade bei den Zitrusaromen lohnt es sich auch den Limettensaft gegen Orange, Blutorange oder Grapefruit auszutauschen!

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Knoten im Hasenohr

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Ostern naht dann doch mit großen Schritten und während ich das Wochenende gemütlich vor dem Kamin im Gutshaus verbringen darf, mich bekochen und unterhalten lasse, könnt ihr ja schon einmal überlegen, was zu Ostern so auf der Kaffeetafel stehen kann.

Bei uns werden es unter anderem diese süßen Brioche-Knoten sein, die der Mann in der letzten Woche so lecker fand. Ich natürlich auch! Die kleinen Knoten sind aber auch ein tolles Mitbringsel oder eine süße Überraschung zum Brunch.

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Der Briocheteig ist im Blog ebenfalls kein Unbekannter, den habe ich hier schon herzhaft gefüllt präsentiert. Wie bei Hefeteig üblich, sind sie frisch am besten!

Bei der Füllung habe ich es einfach gehalten, aber nicht minder lecker. Ihr könnt aber gerne auch Marmelade, Zimtzucker-Butter, eine Quark-/Nussfüllung wählen, der Teig lässt sich ganz vielseitig verwenden.

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Brioche-Schokoknoten

für etwa 24 Stück

  • 250g Mehl 550 & etwas zum Ausrollen
  • 12g frische Hefe
  • 38g Zucker
  • 2 Eier
  • 38g Milch
  • 5g Salz
  • 100g kalte Butter in kleinen Stücken
  • 100g Vollmilchschokolade, gerne auch aromatisiert z.B. mit Orange, Vanille, Zimt…
  • zum eigenen Aromatisieren der Schokolade nach Wunsch: Bio-Orangenzesten, Zimt, Vanilleextrakt, Rum oder Whisky, Chili,…
  • 3-4 EL Sahne
  • Puderzucker

Aus Mehl, zerkrümelter Hefe, Zucker, Eiern und Milch einen Teig kneten. Am besten mit der Maschine 5 Minuten auf kleinster Stufe. Dann Salz zugeben und weitere 10 Minuten auf geringer Stufe kneten lassen. Dann erneut 10 Minuten auf geringer Stufe kneten lassen, dabei die Butter portionsweise einarbeiten.

Mit Frischhaltefolie abgedeckt 1-1,5 Stunden warm gehen lassen. Nun den Teig entgasen, dazu einmal falten oder den Teig einmal fest auf die Arbeitsplatte fallen lassen.

In der Schüssel abgedeckt über Nacht im Kühlschrank gehen lassen.

Am nächsten Tag den Teig in zwei Portionen teilen und etwa 30 Minuten Temperatur bekommen lassen. Währenddessen die Schokolade im Wasserbad mit 2 EL Sahne schmelzen und nach Wunsch Orangenzesten und/oder Gewürze unterrühren. Achtung, die Schokolade darf nicht zu heiß werden, das Wasser sollte nicht kochen! Schokolade auf etwa Körpertemperatur abkühlen lassen. Zwei Backbleche mit Backpapier auslegen.

Den Teig dann in zwei Portionen teilen und beide auf einer bemehlten Arbeitsfläche zu einem Rechteck oder Quadrat ausrollen. Die Teigdicke sollte bei 2-3mm liegen.

Nun die Schokolade daraufstreichen, dabei an den Rändern etwas Platz lassen. Die zweite Teigplatte darauflegen und etwas andrücken. In 24 etwa 1,5cm breite Streifen schneiden. Diese nun verdrehen, dabei etwas  in die Länge ziehen. Vorsichtig in Kranzform legen bzw. verknoten und die Enden unter dem Teig verbergen. Mit etwas Abstand auf die Backbleche legen.

Etwa 30 Minuten bei Raumtemperatur gehen lassen. Dabei den Ofen auf 190°C Heißluft vorheizen.

Den Teig vorsichtig mit den verbliebenen 2 EL Sahne bestreichen. Etwa 15-20 Minuten goldbraun backen. Abkühlen lassen (dazu nach einiger Zeit auf ein Gitter legen, sonst bildet sich unter dem Teig Kondenswasser) und anschließend nach Wunsch mit Puderzucker bestreuen.

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Wechselwirkungsbenefit

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Es gibt Lebensmittel, die sich positiv verstärken. Dazu gehören Banane und Schokolade. Eine unschlagbare Kombination! Noch besser wird es, wenn sich Cashews und Sesam dazugesellen, wie hier in diesem Bananenkuchen mit Tahini und Schokolade!

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So ein Rührkuchen muss definitiv saftig sein. Dieser ist es durch das Bananenpüree und die Schokolade, dazu das tiefe Aroma von Tahini und knackige Cashews – mjamm!

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Und noch etwas: Er ist ganz einfach und recht schnell gemacht, eine gute Verwertung für überreife Bananen und hält sich – in der Theorie, denn er ist ruckzuck weggegessen – länger saftig und frisch.

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Bananen-Tahini-Kuchen mit Schokolade

für eine kleine Kastenform von etwa 20cm Kantenlänge

  • 60ml neutrales Öl wie Raps- oder Sonnenblumenöl
  • 3 EL Tahini
  • 3 EL flüssiger Honig
  • 3 gehäufte EL brauner Zucker
  • 2 Eier
  • 4 (sehr) reife Bananen
  • 90g gemahlene Mandeln
  • 1 leicht gehäufter TL Backpulver
  • 1/2 TL Salz
  • 1 TL Vanilleextrakt
  • 100g Dinkelmehl 630
  • 125g Schokolade (ich habe Zartbitter und Vollmilch gemischt)
  • 75g Cashews
  • etwa 2 TL Sesam (ich habe schwarze und helle Sesamsamen gemischt)

Den Backofen auf 180°C Umluft vorheizen und eine Kastenform entweder fetten oder mit Backpapier auslegen.

Schokolade grob hacken und die Cashews in einer Pfanne fettfrei anrösten, dann grob hacken.

Öl, Tahini, Honig und Zucker zusammen mit den Eiern schaumig schlagen. 3 der Bananen schälen, klein schneiden und mit einer Gabel zerdrücken (oder, wenn die Küchenmaschine stark genug ist direkt als dünne Scheiben zugeben, während die oben genannte Mischung aufgeschlagen wird).

Die übrigen Zutaten bis auf die letzte Banane und den Sesam zugeben.

Den Teig in die vorbereitete Form füllen und ggf. glatt streichen. Die letzte Banane schälen und längs halbieren. Mit der Schnittfläche nach oben auf den Teig legen und den Sesam darauf streuen.

Etwa 50-60 Minuten backen. Die Stäbchenprobe zeigt, ob der Kuchen gar ist, es dürfen (bis auf geschmolzene Schokolade) keine flüssigen Teigreste mehr am Holzstab haften bleiben.

Wird der Kuchen zu dunkel ggf. mit Alufolie bedecken. Etwas abkühlen lassen, dann vorsichtig aus der Form heben oder stürzen und vollständig auskühlen lassen.

Angeregt und leicht verändert von hier.

Lasst es euch schmecken!

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Schichtweise

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Schon seit vielen Jahren ist Baumkuchen für mich ein ganz klarer Teil der weihnachtlichen Süßwaren. Baumkuchenspitzen mit Schokolade oder -pralinen sind immer etwas ganz besonderes. Wer schon einmal beim Backen zusehen konnte, weiß, welche Arbeit in einem Baumkuchen steckt.

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Dennoch: Selbstgemachter Baumkuchen ist nicht schwer und schmeckt uns ziemlich gut, ich würde sogar sagen besser als gekaufter, denn letzterer ist öfter trocken, trotz des Schokoschutzanzugs.

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Für ein paar Baumkuchenhappen, mit denen ihr garantiert einen leckeren Hingucker als Präsent, als Teil eines Desserts oder für den Plätzchenteller zaubert, braucht ihr gar nicht so viel!

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Weihnachtliche Baumkuchenhappen

für etwa 45-50 Stück

  • 150g Marzipanrohmasse
  • 50ml Milch
  • 200g weiche Butter
  • 100g gesiebter Puderzucker
  • 1,5 EL Lebkuchengewürz
  • 2 Prisen Salz
  • 6 Eier
  • 100g Zucker
  • 90g Mehl
  • 80g Speisestärke
  • etwa 50 ganze Mandeln ohne Haut
  • etwa 4 EL Aprikosenkonfitüre
  • ca. 400g Zartbitterschokolade oder -kuvertüre

Milch zusammen mit dem Marzipan erwärmen und rühren, bis sich beides zu einer glatten Masse verbunden hat.

Eier trennen. Eiweiße mit einer Prise Salz steif schlagen, dabei langsam den Zucker (nicht Puderzucker) zugeben. Beiseite stellen.

Backofengrill vorheizen (ich habe die mittlere Stufe gewählt, bei größerer Stufe geht das Backen schneller voran, man muss jedoch immer ein Auge auf den Teig haben).

Butter mit Puderzucker und Lebkuchengewürz sowie dem Salz weißschaumig schlagen. Die Eigelbe nach und nach zugeben und dann die Marzipanmasse unterrühren. Mehl und Speisestärke mischen, sieben.

Etwa ein Drittel des Eischnees zur Teigmasse geben und unterheben. Die Hälfte der Mehl-Stärke-Mischung zugeben und ebenfalls unterheben. Nun den restlichen Eischnee und die verbliebene Mehlmischung zugeben und vorsichtig unterheben.

Eine ofenfeste Form (zum Beispiel eine Auflaufform mit geraden Kanten) mit etwa 20x30cm mit Backpapier auslegen und eine dünne Schicht Teig mit einem Löffel gleichmäßig daraufstreichen. 1-2 Minuten unter dem Grill backen, der Teig sollte goldgelb sein. Dann herausnehmen, eine zweite Schicht Teig dünn auftragen und verteilen und erneut goldgelb backen lassen. Wiederholen, bis aller Teig aufgebraucht ist.

Den Ofen nun auf 160°C Ober-/Unterhitze einstellen und den Kuchen mit Alufolie abgedeckt noch 5 Minuten backen. Vollständig abkühlen lassen.

In mundgerechte Happen schneiden. Die Aprikosenkonfitüre etwas erwärmen und glatt rühren. Mit einem Backpinsel auf die Happen auftragen und die Mandeln auflegen. Trocknen lassen.

Nach Belieben die Schokolade im Wasserbad schmelzen und (am besten mit einer Pralinengabel) nacheinander die Happen eintauchen, die überschüssige Glasur durch sanftes Klopfen auf den Schüsselrand abtropfen lassen und zum Trocknen auf ein Pralinengitter oder Klarsichtfolie stellen.

Und wenn noch etwas Schokolade vom Überzug übrig ist? Gießt sie einfach portionsweise in Tassen und gebt heißen Kaffee oder Milch darüber!

Quelle: Eine uralt-Ausgabe der Kreativ Küche (11/2006)

Lasst es euch schmecken! Und unser Baum: Der erste überhaupt, den wir haben. Wir freuen uns jeden Tag bei seinem Anblick 🙂

Foamidabel

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Wer macht sich schon Gedanken darüber, wie es eigentlich kommt, dass Sahne steif geschlagen werden kann, dass Eischnee entsteht, dass Brot beim Backen braun wird und einen unwiderstehlichen Geruch entwickelt? Sicher nicht viele. Die (Bio)Chemie dahinter ist zwar komplex, aber nicht unverständlich.

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Ein Beispiel: Seit einiger Zeit geistert eine mysteriöse Substanz durchs Internet und die – insbesondere veganen – Foodblogs: Aquafaba. Bohnenwasser. Gemeint ist damit die Flüssigkeit, die sich vor allem in Konserven von Hülsenfrüchten wie Bohnen oder Kichererbsen befindet und die meist einfach im Ausguss landet. Aufgeschlagen lässt sich diese Flüssigkeit nämlich genau wie Eischnee verwenden, um Baiser, Makronen oder Mousse herzustellen. Aber wie funktioniert das eigentlich?

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Egal, ob man Aquafaba oder Eiklar betrachtet, muss für das Erstellen eines Schaumes zunächst nur eine Bedingung erfüllt sein: Genug Eiweiß in gelöster Form. Ok, schauen wir mal etwas genauer nach – woraus besteht eigentlich Eiweiß? Unabhängig davon, ob es sich um pflanzliches oder tierisches Eiweiß handelt, sind die Bausteine gleich: Aminosäuren (der eine oder andere erinnert sich vielleicht an seinen Bio- oder Chemieunterricht). Diese Aminosäuren werden als lange Kette durch Peptidbindungen aneinandergereiht (man spricht dann von Polypeptiden). In lebenden Zellen, vom Bakterium über Pflanzen bis zum Menschen, sind die Ribosomen die Zellbestandteile, an denen genau dieser Prozess geschieht (die Translation, ein Abschnitt der Proteinbiosynthese). Man nennt diese Aminosäurekette auch Primärstruktur, es ist die Grundlage für den Bau der Proteine.

Je nachdem, welche Aminosäuren wie aneinandergereiht sind, finden verschiedene Wechselwirkungen zwischen diesen Proteinbausteinen statt. Sie können sich anziehen und sogar Bindungen zueinander ausbilden, oder sich abstoßen. Durch diese Bindungen falten sich die Aminosäureketten auf, es bilden sich zum Beispiel schraubenförmige oder gefaltete Abschnitte (Sekundär- und Tetriärstruktur). Einige Proteine sind aus mehreren Aminosäureketten zusammengesetzt und haben somit zudem noch eine Quartärstruktur.

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Und das hat mit dem Eischnee oder Aquafaba-Schnee zu tun? Ja! Denn werden diese Strukturen verändert, zum Beispiel durch Reibung, welche die Bindungskräfte zwischen den Aminosäuren verändert oder aufbricht, ändert sich auch die gesamte Raumstruktur. Dieser Vorgang, bei dem die Tertiär- und Sekundärstruktur in Mitleidenschaft gezogen werden, heißt Denaturierung. Man kann diese Strukturänderung nicht nur durch (Reibungs)Wärme, sondern auch durch die Zugabe von Säure (zum Beispiel Zitronensaft oder Essig), Salzen (darauf gehe ich gleich ein) und Zellgiften wie Alkohol oder Schwermetallen (in der Küche nicht zu empfehlen)  hervorrufen.

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Und was machen wir beim Schlagen von Aquafaba oder Eiklar? Reibung, also starke Bewegung und damit lokal hohe Scherkräfte zuführen. Und gerne gibt man einen Schuss Zitronensaft oder eine Prise Salz dazu. Das Salz sorgt dafür, dass die Löslichkeit der Aminosäureketten verringert wird. Salz besteht aus sehr kleinen Teilchen (Ionen), die Aminosäureketten sind dagegen aus Hunderten Molekülen aufgebaut. Die kleinen Ionen entziehen den Proteinen das Wasser, welches zum Lösen gebraucht wird, das Eiweiß fällt also als fester Bestandteil aus. Die Konkurrenz um Wassermoleküle erleichtert uns also das Produzieren eines Proteingerüstes unter welches dann noch ordentlich Luft eingeschlagen werden kann.

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Dass dieser Prozess (teils) reversibel ist (man spricht von Renaturierung) sieht man zum Beispiel daran, dass bei längerem Stehen wieder etwas Lösung am Gefäßboden des Eischnees auftaucht. Das klappt natürlich nicht bei nachhaltigeren Strukturveränderungen, wie sie zum Beispiel beim Braten eines Omeletts oder Spiegeleis auftreten.

Tjaja, viel ist nötig, damit wir zu einer veganen Lebkuchen-Mousse, einer nicht veganen Orangensahne und buttrigem Shortbread kommen..:

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Vegane Lebkuchenmousse mit Aquafaba

für 5-6 Portionen

  • Flüssigkeit von zwei Dosen Kichererbsen (etwa 250ml)
  • 1/2 TL Zitronensaft
  • 1-2 TL Lebkuchengewürz
  • 1 gute Prise Salz
  • 300g Zartbitterschokolade
  • nach Geschmack noch etwa 50g Puderzucker, gesiebt

Den Kichererbsensud habe ich zwei Tage im Kühlschrank aufbewahrt und auch kalt weiterverarbeitet: In eine große Rührschüssel geben und dann mit dem Schneebesen zügig halbsteif schlagen. Nun Zitronensaft und Salz zufügen und steif schlagen, bis sich die bekannten Spitzen bilden.

In der Zwischenzeit die Schokolade grob zerteilt auf einem Wasserbad schmelzen und das Lebkuchengewürz einrühren. Handwarm abkühlen lassen und dann unter den Schnee heben. Falls gewünscht, noch Puderzucker unterheben.

In Gläser füllen und mindestens zwei Stunden kalt stellen.

Orangenshortbread

für eine Form von etwa 26x26cm (8 Teile bei dieser Form)

  • 150g zimmerwarme Butter und etwas zum Ausfetten der Form
  • 1 Bioorange (Schale)
  • 50g Zucker
  • 200g Mehl 550
  • eine Prise (Orangen-)Salz

Ofen auf 190°C Ober-/Unterhitze vorheizen. Die Form fetten und mit Mehl ausstreuen, das Mehl durch Klopfen verteilen und überschüssiges Mehl herausschütteln.

Die Butter in Würfeln mit den restlichen Zutaten in einer Schüssel mit den Fingerspitzen zu einem krümeligen aber homogenen Teig verkneten.

In die Form geben, gut andrücken und mit einer Gabel mehrmals einstechen. Etwa 20 Minuten backen. Es sollte sich dabei nur wenig bräunen.

Noch warm in der Form in Stücke trennen (z.B. mit einer Teigkarte), aber in der Form auskühlen lassen, dann vorsichtig stürzen.

Quelle:

Orangensahne

für 5-6 Portionen

  • 300g Schlagsahne
  • 1 Bio-Orange
  • 16g Vanillezucker
  • nach Belieben 1-2 EL Cointreau

Sahne mit dem Rührbesen halbsteif schlagen. Währenddessen die Orange heiß abwaschen und abtrocknen. mit einem Zestenreißer die Schale abstreifen und für die Dekoration beiseite legen und den Saft auspressen.

Vanillezucker zur Sahne zugeben, dabei weiterschlagen, bis sich der Zucker aufgelöst hat und anschließend den Saft zufügen. Nach Wunsch auch den Orangenlikör zugeben. Vor dem Servieren auf die Mousse löffeln oder mit einem Spritzbeutel auftragen und mit den Zesten anrichten.