Mit einem Whoops! sind sie im Mund

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Also mit einem ganz großen Whoops versteht sich. Bei diesen Whoopies sollte man besser öfter zubeißen. Umso schöner!

Passend zum Frühsommer hat sich zwischen die Vanillekekse dann aber auch noch eine Rhabarbersahnecreme und -kompott geschlichen. So wird ein richtiger kleiner süß0er Burger daraus! Ob ihr die Cookies dann doch wie einen Doppelkeks wieder löst und einzeln knuspert, oder doch kleinere Kekse backt, die man im Ganzen  weghapsen kann, ist euch überlassen! In jedem Fall kommt ihr zu einem knusprig-cremigen, süß-säuerlichem Geschmackserlebnis.

Die Creme solltet ihr zuerst, am besten sogar am Tag zuvor vorbereiten. Sie eignet sich auch wunderbar, um mit zerbröselten Keksen und Rhabarberkompott im Glas serviert zu werden, zum Füllen von Windbeuteln und Baisers,…

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Rhabarber-Sahnecreme

für etwa 500ml

  • 250g Rhabarber (etwa 2-3 dünne bis mittlere Stangen)
  • 50g selbstgemachter Vanillezucker
  • 10g brauner Zucker
  • 100ml Wasser
  • 2 Gelatineblätteroder 1 Packung Gelatinepulver
  • 175g Schlagsahne

Rhabarber putzen und die Schale in Streifen abziehen. Fein würfeln oder in dünne Scheiben schneiden. Mit Wasser und Zucker für 5 Minuten sanft köcheln lassen. Etwas abkühlen lassen, pürieren und anschließend durch ein Sieb streichen.

Währenddessen die Gelatine in etwas kaltem Wasser einweichen und dann ausdrücken. In die lauwarm abgekühlte Masse rühren, bis sie sich vollständig aufgelöst hat. Im Kühlschrank etwas gelieren lassen.

Die Sahne steif schlagen und unter die Rhabarbermasse heben. Erneut kühl stellen, bis die Creme fest genug geworden ist.

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Rhabarberkompott

  • 100g Rhabarber
  • 15g brauner Zucker

Rhabarber wie oben putzen und schälen, in dünne Scheiben oder feine Würfel schneiden. Mit wenig Wasser und dem Zucker zusammen im Topf 5 Minuten sanft köcheln lassen, bis der Rhabarber beginnt zu zerfallen. Abschmecken und ggf. mit etwas mehr Zucker verrühren.

Vanillecookies

für etwa 40 Stück mit 5cm Durchmesser

  • 2 Eier
  • 300g Zucker
  • 2 EL selbstgemachter Vanilleextrakt
  • 125g zerlassene Butter
  • 2 TL Backpulver
  • 480g Mehl

Ofen auf 160°C Umluft vorheizen.

Eier und Zucker weißschaumig schlagen. Vanilleextrakt und zerlassene (aber nicht heiße!) Butter zugeben und anschließend das Mehl mit dem Backpulver unterrühren.

Aus dem Teig Bällchen formen, die etwas kleiner als Tischtennisbälle sein sollten. Für Miniwhoopies sollten sie maximal 1,5 cm Durchmesser haben.

Mit Abstand auf mit Backpapier ausgelegte Backbleche legen und etwa 16 Minuten backen. Auf einem Gitter auskühlen lassen.

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Für Whoopies

Die Creme in einen Spritzbeutel füllen und ringförmig auf einen Keks aufspritzen, so dass in der Mitte eine freie Stelle bleibt, in die etwas Kompott gegeben wird. Einen zweiten Keks daraufsetzen.

Für ein Dessert im Glas

Die Gläser zu etwa drei Vierteln mit Creme füllen, etwas Kompott darauf geben und mit zerkrümelten Keksen auffüllen (den Trick mit den Keksen im Gefrierbeutel und dem Nudelholz kennt ihr ja sicher). Nach Belieben noch etwas Creme darauf spritzen.

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Genießt die Sonne! Und den freien 1. Mai.

Widerstand zwecklos – Sie werden jetzt fusioniert!

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Sich zu entscheiden ist manchmal gar nicht so einfach. Dabei müssen wir das ja unentwegt tun. Dass Ernährung unsere DNA auch zeitlebens verändert, bestimmte Gene aktiviert bzw. inaktiviert und dieses epigenetische (also auf der DNA, dem Genom liegende) Muster auch vererbt werden kann, ist inzwischen bekannt. Ob wir unter Nährstoffmangel leiden oder eine übermäßige Zufuhr von Energie erhalten, ist also nicht nur für unser Leben und den jeweiligen betrachteten Zeitraum entscheidend, sondern wirkt sich auch auf unsere Nachkommen aus. Eine große Verantwortung also. [Wer sich darüber zumindest etwas mehr informieren möchte, dem sei dieser Artikel empfohlen, in dem einige Beispiele genannt werden. Inzwischen weiß man auch, dass nicht nur stoffliche Einflüsse, wie unsere Ernährung, sondern auch psychologische Effekt im Erbgut abgebildet und weitervererbt werden können – Traumata zum Beispiel.]

Man kann nur hoffen, dass man dieses Wissen positiv nutzt, um sich dessen bewusst zu werden. Ausschließen kann man Veranlagungen so natürlich nicht. Dazu sind wir und unsere Genetik einfach zu komplex. Man kann nur hoffen, dass nicht irgendwann Krankenkassen o.ä. auf die Idee kommen, uns so gläsern zu machen, unser Ess- und Fitnessverhalten so zu überwachen (und das ist auch über Fitnesstracker und -apps, deren Daten an Dritte weitergegeben werden möglich), um uns das Risiko für unsere Nachkommen und uns selbst, in Rechnung zu stellen. Gesundes Essverhalten kann man schließlich auch anderweitig fördern.

Dass sich die Zusammensetzung unserer Nahrung, genauer gesagt unseres Frühstücks, denn das wurde hier untersucht, auch auf unser Sozialverhalten Einfluss haben, ist relativ neu. Wie wir zum Beispiel auf unfaire Angebote reagieren können, ist abhängig davon, was wir zum Frühstück gegessen haben. Erstaunlich! Je mehr Kohlenhydrate (typisch für unser brot- und müslireiches Frühstück) enthalten waren, desto sensibler reagierten die Studienteilnehmer darauf. Nachzulesen zum Beispiel hier, die Originalveröffentlichung hier.

Mir fällt es regelmäßig schwer, mich für ein konkretes Gericht zu entscheiden. Die geöffneten Tabs mit Rezepten, die markierten Stellen in Kochbüchern, die aktuell ausprobiert werden wollen, übersteigen die Marke 20 locker. Dabei ist die Saison für bestimmte Obst- und Gemüsesorten so kurz und so verschiebt sich ein Wunsch von diesem ins nächste Jahr (währenddessen sich noch 5 weitere ergeben haben…) und die Liste wird länger. Ab und an kann man dann ein paar Rezepte verbinden, die gaaanz oben auf der Prioritätenliste stehen. Da es zur Zeit zwingend schnell gehen muss (Konferenzen, Schlafmangel, Fortbildungen, der Garten verlangt nach Zeit, wenn es nicht regnet,… ihr seht, es häuft sich alles), sind auch die Zubereitungszeiten der Rezepte (sehr) gering.

Schon als ich den Hinweis auf die Rhabarberrezepte von Ottolenghi sah war klar, es kann nur eines geben! Rhabarber-Kimchi, wie gut klingt das denn? Der steht jetzt seit gut anderthalb Woche bei mir im Kühlschrank und konserviert vor sich hin. Kimchi allgemein kann man ja überall da einsetzen, wo das Essen sonst etwas fade schmecken würde. Also zu Nudeln, Reis, Eiern, aufs Sandwich, zu neutralerem Fisch oder Fleisch. Und es würzt durch diese würzig-saure Komponente, ohne gleich zu viel zu sein. Das Rhabarber-Kimchi enthält außerdem auch Möhre, Fenchel und eine Reihe von Gewürzen. Wie auch sonst bei eingelegtem Gemüse setzt man auf eine relativ salzige Lake, die konservierend wirkt, aber natürlich auch zum Geschmack beiträgt. Daher braucht man für mein Fusion-Gericht auch kein weiteres Salz.

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Wer jetzt sagt: „Aber der 24.6. – Stichtag zur letzten Ernte von Rhabarber und Spargel – war doch schon! Der enthält doch jetzt zu viel Oxalsäure!“, kann berichtigt werden: Bei einer schon gestandenen Pflanze macht eine Ernte der hier benötigten Menge nichts. Die Schonung nach dem 24.6. ist nicht mit einer zu hohen Oxalsäureproduktion zu begründen, sondern begünstigt einfach nur das Pflanzenwachstum im nächsten Jahr. 

Wie schon beschrieben, eignet sich Kimchi gut, um Reisgerichte aufzuwerten und mir lief noch in weiteres Rezept aus dem Guardian über den Weg: Kichi fried rice – mit Kimchi geschmorter Reis.

Da hier verschiedene Rezepte, aber auch verschiedene kulinarische Schulen und Einflüsse zusammenkommen, haben wir es hier quasi mit einer Doppel-Fusion zu tun. Bestens für Leute, die sich nicht immer entscheiden können 😉

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Nichtsdestotrotz musste ich eine Zutat ersetzen, durch andere zusammenmischen, was aber dennoch sehr lecker war. Da die Schärfe doch sehr von der Dosierung abhängt, schlage ich vor, den Anteil von Samal Oelek schrittweise zu erhöhen.

Rhabarber-Kimchi mit Sumach

für etwa 1 kg, also 1,5-2l

  • 1 EL Chiliflocken
  • 1 EL Sumach
  • 1 EL Bio-Orangenschale
  • 4 EL frischer Orangensaft
  • 3 Knoblauchzehen
  • 25 frischer, geschälter Ingwer
  • 1 TL Schwarzkümmel
  • 1 TL Zucker
  • 3 EL grobes Meersalz
  • 380g (3-4 Stangen) Rhabarber, geschält
  • 250g geputzte Möhren
  • 340g geputzter Fenchel
  • 80g geputzte Frühlingszwiebeln

Ingwer fein reiben und mit Chiliflocken, Sumach, Orangensaft- und schale, gepressten Knoblauchzehen und Schwarzkümmel mischen und im Mörser mit dem Salz zu einer Paste zerdrücken.

Rhabarber diagonal in 0,5cm breite Stücke schneiden, Fenchel in feine Scheiben mit etwa 1mm Dicke hobeln, Möhren in 2mm breite Stücke. Frühlingszwiebeln in diagonale Stücke von etwa 0,5cm Breite schneiden. Alles in einer großen Schüssel vermengen und die Paste zugeben und kräftig einmassieren. Mit einem Teller abdecken, ggf. beschweren und zwei Stunden bei Raumtemperatur stehen lassen.

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Dann in ein großes Einmachglas (z.B. ein großes Gurkenglas) füllen und gut zusammendrücken. Die Flüssigkeit, die durch das Salz aus dem Gemüse gezogen wurde, sollte nach Möglichkeit über dem Gemüse stehen (sie nimmt aber noch an Menge zu). Gut verschlossen dunkel und kühl aufbewahren und das Gemüse täglich mit einem sauberen Löffel nach unten zusammendrücken. Ab und an kosten und wenn der gewünschte Geschmack (Säuregehalt vor allem) erreicht ist, dann in den Kühlschrank verfrachten und z.B. zum nächsten Rezept verwenden.

Quelle: Guardian

Rhubarb-Kimchi fried rice

für zwei gute Portionen

  • 150g Risottoreis (es funktioniert und schmeckt aber auch mit Jasminreis o.ä.), Sushireis wäre ideal, nach Belieben schon vorgekocht
  • 1 TL Sonnenblumen- oder Rapsöl
  • 160g Rhabarber-Kimchi s.o.
  • 1 EL Gochujang Chilipaste (ich habe 1 TL weißes Miso und 1 TL Sambal Oelek verwendet, da bitte mit der Schärfe rantasten und ggf. mit Aiwar o.ä. strecken)
  • 2 EL der Kimchi-Flüssigkeit
  • 2 TL Sojasauce
  • 1,5 TL geröstetes Sesamöl
  • 2 Eier
  • 2 Früglingszwiebeln
  • 1 EL Sesamsamen
  • 1/2 Noriblatt

Reis mit der doppelten Menge (also 300ml) Wasser aufkochen und bei geringer Temperatur gar köcheln lassen, ggf. noch etwas Wasser zufügen und gelegentlich rühren. Abkühlen lassen. In einer kleinen Pfanne ohne Fett die Sesamsamen anrösten bis sie anfangen zu springen. In eine Schale zu Abkühlen geben. Das Noriblatt ebenfalls ohne Fett in die heiße Pfanne geben, bis es anfängt wellig zu werden.

In einer großen Pfanne das Öl erhitzen und das Kimchi zugeben. Unter Rühren anrösten, bis es beginnt zu karamellisieren und Röststellen bekommt.

Währenddessen Kimchi-Sole mit Miso und Sambal Oelek (bzw. der Chilipaste) und der Sojasauce verrühren. Zum Kimchi geben und bei mittlerer Hitze einrühren. Den Reis zufügen und alles gut vermengen, damit der Reis gut mit der Sauce überzogen wird. Alles etwa 3 Minuten bei mittlerer Hitze braten und dann die Frühlingszwiebeln zugeben und unterrühren.

Vom Herd nehmen und das Sesamöl einrühren. In der anderen Pfanne mit wenig Fett ein Spiegelei nach Wunsch braten.

Reis auf einem Teller anrichten, Sesam und zerzupftes Algenblatt darüber geben und mit dem Spiegelei obenauf servieren.

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Quelle: Guardian

Aus dem Garten

Rhabarber kann ich neuerdings aus dem eigenen Anbau haben – whohoo! Das hat wirklich etwas für sich. Und zuzusehen, wie die tollen rothäutigen Stangen mit den großen saftig grünen Blättern von Tag zu Tag größer werden, ist wunderbar.

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Hier sieht man noch die Blüte. Die wird aber bald entfernt, man soll sie essen können. (Viel habe ich dazu nicht gefunden: Dünn geschnitten über Salat, Geschmack ähnlich wie Brokkoli aber gut ausgebacken und mit Vanillesauce dazu?! Aha, ein sehr wildes Durcheinander!)

Am Muttertag gab es dann auch den ersten eigenen Rhabarber in praktischen Portionen. Der Mann mag Rhabarber ja insbesondere als Getränk, seit dem letzten Jahr aber auch im Kuchen. Da hat sich die Überzeugungsarbeit gelohnt! Das Rezept habe ich schon einige Zeit auf der Nachbackliste, weil es mich einfach angesprochen hat. Als ich dann fragte, was ich denn zum Muttertag backen solle, habe ich „vanilla bean“ unbewusst? falsch als Tonkabohne übersetzt – passt grundsätzlich ja auch. Das war dann auch der Grund, warum sofort ein „ja, das machst du!“ kam. Denn wir beide mögen die Mandel-Tonka-Creme* als Brotaufstrich sehr gern.

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Beim Zubereiten hatte ich diesen kleinen Übersetzungsfehler schon wieder aus dem Bewusstsein verdrängt und das Gefühl, ich würde spontan Tonka statt Vanille verwenden. Ob das wirklich so war? Jan hat mich jedenfalls wieder an die Ausgangssituation erinnert, nachdem ich den Guss mit der Tonkabohne bereits fertig angerührt hatte. Egal, wie es dazu kam, die Idee war jedenfalls die richtige!

Es sind also mit Rhabarberkompott gefüllte Scones mit Tonka-Guss entstanden, die allen geschmeckt haben.

IMG_5675Zum Nachbacken also hier das Rezept:

Scones mit Rhabarberfüllung und Tonka-Zitronenguss

für 8 etwa handgroße Scones

  • 3-4 Rhabarberstangen
  • 4,5 EL Zucker
  • Schale von 1/2 Zitrone
  • 3 TL Zitronensaft
  • 385g Mehl 405er
  • 1 TL Backpulver
  • 1/4 TL Salz
  • 60g kalte Butter
  • 250ml Buttermilch
  • 2 EL Buttermilch oder Sahne und etwas zum Bestreichen
  • ca. 175g Puderzucker
  • Abrieb von 1/4-1/2 Tonkabohne (z.B. von hier*)
  • Zitronenzesten nach Wunsch

Rhabarber waschen, putzen und in kleine Würfel schneiden (etwa 5mm Kantenlänge). Mit 1,5 EL Zucker, Zitronensaft und fein geriebener Schale vermischt in eine ofenfeste Auflaufform geben und bei 190°C etwa 12 Minuten backen. Herausnehmen und abkühlen lassen.

In der Zwischenzeit Mehl, Backpulver, Salz, verbliebenen Zucker in einer großen Schüssel vermischen und die Butter in Flöckchen mit den Fingern einarbeiten, bis keine größeren Stückchen mehr zu spüren sind. 250ml Buttermilch zugeben und zunächst mit einem Löffel, dann mit den Händen vermengen und zu einem glatten Teig verkneten.

Auf einer leicht bemehlten Fläche etwa 5mm dick ausrollen und die Hälfte der Fläche mit dem Rhabarberkompott bestreichen. Die andere Hälfte darüberklappen und mit einem scharfen Messer in etwa 8 gleichgroße Dreiecke zerteilen.

Mit etwas Abstand auf ein mit Backpapier ausgelegtes Backblech legen und für 15-20 Minuten im Kühlschrank ruhen lassen.

Den Backofen auf 200°C Umluft vorheizen und die Scones mit etwas Buttermilch oder Sahne bestreichen. 15-18 Minuten goldbraun backen. Abkühlen lassen.

Für den Guss Puderzucker in eine Schüssel sieben und mit Sahne oder Buttermilch, dem Tonkabohnenabrieb (Feinreibe!) und nach Belieben einigen Zitronenzesten dick cremig verrühren. Auf die abgekühlten Scones geben und verteilen.

Abgeändert nach a cozy kitchen

Frühlingsgerichte suchen Zorra und Jeanette von Cuisine Violette ja auch noch – hier also noch ein süßer Beitrag von mir dazu!

Blog-Event CXXX - Genuss des Fruehlings (Einsendeschluss 15. Mai 2017)

Pavlov-Reflex

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Nein, hier liegt kein Schreibfehler vor. Vielmehr ist wieder mal ein Wortspiel – mag ich ja so gern –  Grundlage dieser Überschrift.

Pawlow war ein bekannter russischer Mediziner, dessen Name untrennbar mit der Verhaltensforschung und hier genauer mit der klassischen Konditionierung verbunden ist. Ihr erinnert euch an den Hund, die Fütterung und die Glocke? Wird die Futtergabe mit einem – hier akustischen – vorher neutralen Signal verbunden, fängt beim Hund nach einiger Zeit der, sonst nur durch Futtergabe auftretende, Speichelfluss schon beim alleinigen Hören des Glockentones an – auch, wenn das Futter weit und breit nicht in Sicht ist. Er erwartet bei diesem jetzt mit der Fütterung verbundenem Signal einfach, dass sein Napf gefüllt wird.

Pavlova dagegen ist eine Baisertorte mit Sahne und Früchten, die insbesondere im australischen und neuseeländischen Raum bekannt ist. Benannt ist sie nach Anna Pawlowa, also genauso geschrieben wie unser bekannter Forscher, einer russischen Ballerina. Von deren luftig-leichtem Tutu hat sich wohl der Entwickler der Süßspeise inspirieren lassen.

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Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber bei mir setzt der Speichelfluss bei Baiser ziemlich schnell ein. Früher eigentlich noch mehr als heute, aber dafür sind sie inzwischen selbstgebacken. Gut, der Vergleich mit Pawlow hinkt ein wenig, denn die Konditionierung im klassischen Sinne ist hier nicht erfüllt – der neutrale Reiz fehlt ja. Aber ich konnte der Ähnlichkeit der Namen nicht widerstehen.

Dass die Pavlova mit Sahne und Früchten gefüllt wird, ergibt sich schon aus dem sauren Gegenstück zum süßen Baiser. Und was passt zur Zeit besser als Sahne mit Erdbeerpüree und frischen Erdbeeren sowie süß-säuerlichem Rhabarber? Eben! Darum:

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Pavlova-Dessert mit Erdbeeren und Rhabarber

für 3-4 Portionen

  • 4 Eiweiß
  • 220g Puderzucker
  • 1 TL weißer Balsamico
  • 2 Stangen Rhabarber (ca. 200g geputzt)
  • 1 EL Rohrohrzucker
  • 1 EL Zitronensaft
  • 8-10 Erdbeeren für das Püree
  • 200g Schlagsahne
  • 8-12 frische Erdbeeren zum Dekorieren
  • 2-3 EL Pistazien, ungesalzen

Ofen auf 120°C Ober-/Unterhitze vorheizen. Eiweiße in einer großen sauberen Schüssel steif schlagen. Dann Esslöffelweise den Puderzucker einrühren, dabei weiterschlagen und zwischen dem Hinzufügen etwa 30 Sekunden vergehen lassen. Nach der letzten Zuckerportion noch etwas weiterschlagen, bis aller Zucker aufgelöst ist. Nun den Essig zugeben und noch 2 Minuten schlagen. Der Eischnee wird so schön glänzend. *

Mit einem Esslöffel 10-12 Portionen auf ein mit Backpapier ausgelegtes Backblech geben und eine Stunde backen, bis die Baiser fest aber nicht gebräunt sind. Ofen ausschalten und vollständig auskühlen lassen.

In der Zwischenzeit Rhabarber putzen und in dünne Scheiben schneiden. Mit Zucker, Zitronensaft und 2 EL Wasser in einen Topf geben und aufkochen. Bei geringer Hitze köcheln lassen, bis der Rhabarber weich ist, aber noch nicht zerfällt.

Erdbeeren waschen, putzen und ggf. grob zerkleinern. Pürieren und durch ein feines Haarsieb geben.

Pistazien in einer Pfanne fettfrei anrösten, bis sie duften, dann grob hacken.

Sind die Baiser ausgekühlt, portionsweise auf einen Teller geben. (3-4 Baiser je nach Größe). Sahne steif schlagen und nach Belieben 2-3 EL Erdbeerpüree unterrühren. Auf den Baiser verteilen, evtl. weiteres Erdbeerpüree darüber geben. Rhabarberkompott darübergeben und mit frischen, gewaschenen und aufgeschnittenen Erdbeeren sowie den Pistazien dekorieren.

*Man kann auch einen Teil der Baisermasse mit Erdbeerpüree mischen. Nur gerade so weit verrühren, dass sich eine schöne Marmorierung ergibt. Diese Baiser sollten etwas länger gebacken werden und sind dann tendenziell dennoch weicher. Sie eignen sich eher für solche Desserts als zum Lagern.

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Anerkanntes Zahlungsmittel: Rhabarberfinanciers

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So richtig geklärt ist der Ursprung der Financiers wohl nicht. Wiki gibt an, dass der Name entweder von der traditionellen Kuchenform herrührt, die an kleine Goldbarren erinnert, oder aber vom Pariser Börsenviertel, in dem die Küchlein wohl bekannt geworden sind.

Egal woher die Financiers ihren Namen haben, sie verdienen etwas Aufmerksamkeit- nicht nur im Börsenviertel! Diese Küchlein könnten zum Ersatz für Münzen und Scheine anvancieren 😉

Im Prinzip handelt es sich um Biskuitkuchen in handlicher Form, der geschmacklich sehr variabel ist und mit den unterschiedlichsten Früchten oder Nüssen aufgehübscht werden kann. Passend zum Frühsommer habe ich mich für Rhabarber entschieden und dem Biskuit noch einen weiteren Aromakick verpasst: Gebräunte Butter. Der nussige Geschmack hebt das Mandelaroma und das passt natürlich auch prima zum Rhabarber.

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Rhabarberfinanciers 

Anstelle der Barrenform habe ich ein 12er Muffinblech verwendet und aus dem Teig 8 Financiers erhalten.

  • 115g weiche Butter und etwas zum Ausfetten der Form
  • 1 Stange Rhabarber
  • 2 ELbrauner Zucker/Rohrohrzucker
  • 45g Puderzucker und etwas zum Bestreuen
  • 65g gemahlene Mandeln
  • 45g Mehl
  • 1 Prise Salz
  • 3 Eiweiß

100g Butter bei mittlerer Hitze unter Rühren in einem Topf bräunen. Abkühlen lassen.

Währenddessen Rhabarber putzen, schälen und in 5mm dicke Scheiben schneiden. Mit 1 EL Zucker und 15g geschmolzener Butter etwa 6 Minuten köcheln, bis der Rhabarber gerade weich wird. Abkühlen lassen.

Ofen auf 175°C Umluft vorheizen.Mehl, Mandeln und Puderzucker mit brauner Butter mischen. Eiweiße anschlagen, Salz zufügen und steif schlagen. Unter die Mehlmischung heben. Teig auf 8 gefettete Formen aufteilen und je etwa 1,5 TL der Rhabarbermischung obenauf geben. Etwa 30 Minuten backen, abkühlen lassen und nach Wunsch mit Puderzucker bestäuben.

Etwas abgewandelt nach einem Rezept von hier.

Auch beim tastesheriff stehen Biskuitteige in diesem Monat hoch im Kurs!

Eis-Heilige

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Der frühe Sommer im Norden sorgt für gut besuchte aber noch nicht volle Strände, an denen es sich herrlich liegen und aufs Meer schauen lässt. Besser zu zweit als allein. Die ersten baden oder surfen, viele Segelboote schaukeln auf den Wellen. Die Füße im Sand, das Gesicht in der Sonne und keine Zeit Fotos von diesen schönen Bildern zu machen. Oder keine Lust?

Nach dem (für viele) längeren Himmelfahrtswochenende herrscht schon fast Urlaubsstimmung. Gelöst. Zeit zu Genießen.

Auch das nächste Wochenende ist verlängert und bringt Freizeit und ein wenig aus dem Tritt. Neben Pfingsten fällt auch die Zeit der Eisheiligen auf die kommenden Tage und damit ein kleiner Kälteeinbruch. Ein meteorologischer Kardinalspunkt im Sommer, neben der Schafskälte im Juni. Die Wetterheiligen kommen!

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Und bevor ein weiterer Heiliger am 24. Juni die Rhabarberzeit beendet, muss Rhabarber in eisiger Form her. Als Granita, zusammen mit Vanille und Ingwer. Dazu gibt es Sahne mit Orangenblütenwasser und etwas Krokant.

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Rhabarbergranita mit Ingwer und Orangenblütensahne

für 4 Portionen

  • 3 Stangen Rhabarber (etwa 350g)
  • 130ml Apfelsaft
  • 1/2 Vanilleschote
  • 1 TL Vanillezucker (selbst angesetzt)
  • 2cm frischer Ingwer (etwa 1 TL voll fein gerieben)
  • 200g Schlagsahne
  • 1 EL Orangenblütenwasser
  • 4 TL Krokant (selbst gemacht oder gekauft)
  • 8-10 kandierte Orangenschalenstreifen

Rhabarber putzen, schälen und in gleich dicke Stücke von etwa 1cm Breite schneiden. Mit dem Apfelsaft und der Vanilleschote aufkochen und dann bei geringer Hitze weich köcheln lassen. Den Zucker unterrühren.

Nachdem die Mischung abgekühlt ist, Vanilleschote entfernen und den fein geriebenen Ingwer zugeben, unterrühren. Mit einem Pürierstab zu einer feinen Masse zerkleinern und in eine für das Einfrieren geeignete Form geben.

Etwa 3 Stunden ins Tiefkühlfach geben, dann etwa 3 Stunden lang jede Stunde mindestens einmal mit einer Gabel durch die Masse fahren, damit sich kleinere Eiskristalle bilden.

Für die Orangenblütensahne die Schlagsahne halbsteif schlagen, das Orangenblütenwasser zugeben. Granita anrichten, einen Schlag Sahne obenauf und mit feingehackten kandierten Orangenschalen und Krokant servieren.

Über den Tellerrand

Die Existenz dieses Blogs beruht letztendlich auf einer Anregung von meiner Mama. Meine Eltern haben immer das gemacht, was ja irgendwie die Hauptaufgabe beim Elternsein ist – liebevoll unterstützt. Sie haben mit dem „ich fang dich auf“-Gefühl im Rücken erreicht, das wir, mein Bruder und ich, als Kinder uns so entwickeln können, wie wir es wollten und konnten. Immer einen Schritt weiter – da war es auch mal nötig, leicht zu schubsen oder zu ziehen. Diese Unterstützung (und auch das Bloggen) eröffnet Blicke  über den Tellerrand und für neue Möglichkeiten.

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Dafür bin ich dankbar, nicht nur an Vater- oder Muttertag. So oft kann ich an diesen Tagen nicht vor Ort sein. Auch in diesem Jahr wird der traditionelle „Mutter(tags)kuchen“ nachgeholt werden müssen.

Wer allerdings ein schönes Muttertags- oder einfach nur Sonntagsfrühstück um ein paar fluffige über den Tellerrand und die Backform schauende Popovers ergänzen hat hiermit gar keine Probleme.

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Der Teig für die Popovers an sich ist recht neutral und kann so süß oder herzhaft abgewandelt werden. Passend zur Saison habe ich Rhabarber-Popovers mit Vanillesauce gebacken. Aber auch Erdbeer- oder Spargelpopovers bieten sich gerade an! Und wer keine Herzform hat, kann auch runde Popovers backen, das tut dem Geschmack keine Abbruch.

Die Konsistenz erinnert an fluffige (Ofen)Pfannkuchen und das Rezept denkbar einfach:

Rhabarber-Popovers

für 6-7 Stück im Muffinblech gebacken

  • 1 kleineStange Rhabarber (ca. 50g geputzt)
  • 1 EL Vanillezucker
  • 1/2 Vanilleschote
  • 7g Butter
  • 1 Ei
  • 1/8l (125ml) Milch
  • 1/4 TL Salz
  • 65g Mehl
  • etwas Öl zum Fetten der Form

Rhabarber in etwa 0,5cm dicke Scheiben schneiden, mit Zucker und Vanillemark vermengen, stehen lassen.

Ofen auf 200°C Umluft vorheizen, die Form mit Öl auspinseln und in den Ofen stellen. In der Zwischenzeit den Teig zubereiten (am besten gleich in einem ausreichend großen Messbecher o.ä.):

Butter schmelzen, abkühlen lassen. Ei, Milch und Salz verrühren, Butter zugeben und unterrühren, dann das gesamte Mehl zugeben und alles eben so klümpchenfrei verrühren. Die Formen gleichmäßig zur Hälfte mit dem Teig füllen, dann die Rhabarbermischung darauf verteilen und den verbleibenden Teig obenauf gebe, dabei die Formen nicht randvoll füllen.

15 Minuten backen, dabei gehen die Popovers bereits schön auf. Sie können dann mit einem scharfen Messer mittig eingeschnitten werden, damit sie gleichmäßiger aufgehen. Hitze auf 150°C herunterschalten und weitere 10-12 Minuten backen.

Für die Vanillesauce empfehle ich diese hier, da hierbei das ganze Ei verwendet wird, nicht nur das Eigelb.

Grundrezept für den Teig aus Lecker Bakery-Special 2014

Endlich

Endlich Sonne, endlich Salat vom Balkon, endlich…! Es tut sich so viel in der letzten Zeit, manchmal fühle ich mich nicht erschlagen, aber zumindest überrumpelt von der Intensität mit der die Dinge auf mich einstürzen. Aber immerhin, es sind zumeist schöne Dinge.

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Gut, Energie kosten auch diese. Aber hier könnte man physikalisch werden. Der sogenannte Energieerhaltungssatz greift hier (1. Hauptsatz der Thermodynamik): Energie kann nicht verloren gehen oder erschaffen werden. Energien können lediglich ineinander umgewandelt werden.

Meine Energie für Planung, körperliche Arbeit und Gestaltung wird nicht aufgefressen, sondern umgewandelt in Energie für mich: Für Entspannung und Erholung, für Gesundheit und Freude, für Kreativität. Das klingt alles sehr abstrakt, aber die Zeit für Konkretes kommt. Lasst es Sommer werden, dann.

Farblich sommerlich war mein erster Salat vom Balkon: Mit gedünstetem Rhabarber, Sherrybutter und Ziegenkäse. Lecker!

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Salat mit Rhabarber und Ziegenkäse

für 1 Portion

  • 1 gute Handvoll junger Blattsalat
  • 1 Stange Rhabarber (etwa 100g geputzt)
  • 30g Butter
  • 1 EL (Vanille-)Zucker
  • 1 EL Sherry, medium
  • 1 TL Senf, mittelscharf
  • 1 TL Zitronensaft und Zesten von 1/2 Zitrone
  • Salz und frisch gemahlener schwarzer Pfeffer
  • 1 EL Olivenöl
  • 40g Ziegenhartkäse (oder ähnliches wie Parmesan, Manchego, Pecorino)
  • nach Belieben ein paar essbare Blüten als Deko

Salat waschen und trocken schleudern und auf einem Teller anrichten. Rhabarber (putzen und) in ca. 0,5cm dicke Scheiben schneiden. Butter in einer Pfanne zerlassen, Zucker zugeben und schmelzen lassen. Rhabarber hinzufügen und garen, bis er gerade weich wird.

In der Zwischenzeit Senf, Zitronensaft mit Salz und Pfeffer zu einem cremigen Dressing verrühren, mit Öl verschlagen. Auf dem Salat verteilen.

Rhabarber mit möglichst wenig Flüssigkeit auf den Salat geben. Sherry zur Butter geben, kurz aufkochen, über den Salat sprenkeln. Zitronenzesten und zerkrümelten Ziegenkäse darüber geben.

Abgewandelt von hier.

Die rohe Rhabarbara

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Im Moment hat das Aprilwetter den Norden ganz schön im Griff. Seit dem Wochenende verging kein Tag, an dem es nicht graupelte, regnete und dazwischen auch mal die Sonne zu sehen war. Da ist leider nicht viel mit „Draußen“. Aber immerhin: Salat und Kräuter wachsen gut auf dem Balkon, die Funkien schieben, je nach Sorte, fleißig neue Blätter aus der Erde. Auch mein Kirschbäumchen blüht. Nur das Wetter verhindert den notwendigen Bienenbesuch. Nun ja, vielleicht reicht es für zwei oder drei Früchte in diesem Jahr.

Weil Kopf und Kalender ebenso voll sind wie die Wolken, muss es zur Zeit oft schnell gehen in der Küche. So kam ich auch nicht dazu, ein Brioche zu backen, das für ein Rezept gebraucht wurde, welches mich schon seit einiger Zeit anlacht, denn ich möchte Sauerteig anstelle von Hefe verwenden. Nun denn, vielleicht am Wochenende.

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Aber auch in der abgewandelten Variante zum Salat war der rohe Rhabarber zum Fisch nicht nur schnell gemacht, sondern auch lecker. Rhabarber und roh, ist das nicht zu sauer? Nicht in dieser Variante:

Gebratener Lachs mit Rhabarber-Radieschen-Pickle

für 2 Portionen

  • 1 Stange Rhabarber
  • 6 Radieschen
  • 1 kleineres Mairübchen
  • Saft von 1/2 Zitrone
  • 1 TL Vanillezucker
  • (Orangen)Salz und frisch gemahlener schwarzer Pfeffer
  • 1 gute Handvoll grüner Salat
  • fruchtiger Balsamico (ich habe Mangobalsamico verwendet)
  • 300g Lachsfilet mit Haut
  • 2 EL Olivenöl zum Braten

Salz und Zucker in einer flachen Schüssel im Zitronensaft auflösen, Pfeffer zugeben. Rhabarber, Radieschen und Rübchen waschen, putzen und mit der Mandoline in sehr dünne Scheiben hobeln und in die Schüssel geben, mit dem Saft vermengen.

Salat putzen, waschen und auf einem Teller anrichten.

Lachs waschen, trocken tupfen und mit Salz und Pfeffer würzen. Öl in einer Pfanne erhitzen und den Fisch mit der Hautseite zuerst bei mittlerer Hitze 2-3 Minuten braten, dann wenden und weitere 1-2 Minuten braten, bis er gar aber saftig ist. Aus der Pfanne nehmen.

Rhabarberpickle auf dem Teller anrichten, den Fisch darauf geben und den Salat mit dem Balsamico besprenkeln.

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Abgewandelt nach The Guardian