Kein Folgefehler

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Seitdem ich einen Instagram-Account habe, folge ich Yotam Ottolenghi. Er zeigt Bilder aus der (Test-)Küche, seinen Restaurants und Delis und von Dingen, die er sonst erlebt. Vor Wochen sah ich dieses Foto von im Ofen gebackenen Rotkohlspalten und wollte das seitdem gern nachkochen. Nun hab ich weder Rezept noch Birnen hier und Weihnachten ist vorbei. Stattdessen laufen die Blogs schier über von den Früchten der Saison: Blutorangen. Ich mache bestimmt nicht jeden Trend mit, zumal es sich hier um einen jährlich wiederkehrenden handelt, aber als ich dann Blutorangen beim Einkaufen sah, mussten sie mit. Zum Frühstück und im Salat sind sie großartig. Kuchen backen wollte ich mit ihnen nämlich nicht. Aber da war ja noch der Rotkohl.. Und zudem noch ein Rest Polenta (der im Nachhinein recht groß ausfiel) – die ließen sich doch beide mit den Orangen kombinieren? (Hierbei soll noch gesagt sein, dass der Otto auch ein wunderbares Rezept für Orangen-Polenta-Kuchen geschrieben hat. Der Kuchen, den ich zum Geburtstag für die Kollegen gebacken habe, wurde auch sehr gelobt, aber dazu vielleicht ein andermal, denn Fotos habe ich nicht gemacht.)

Ich habe also Polenta mit Blutorangensaft gegart und den Rotkohl nach dem Anbraten mit Orangenscheiben im Saft geschmort. Bittersüß und fruchtig. Vielleicht zu orangig für den einen oder anderen. Sicher schmeckt auch beides für sich mit anderen Geschmäckern kombiniert. Dennoch hier mein Rezept für beides. Beim nächsten Mal würde ich die Relationen allerdings umkehren: Halb so viel Polenta, doppelte Menge Rotkohl. Die unten stehenden Mengenangaben sind daher gleich für 2 Portionen abgeändert, entsprechen aber nicht denen auf dem Foto.

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Rotkohl aus dem Ofen mit Blutorangen

für 2 Portionen

  • etwa 1/3 Kopf Rotkohl
  • 4 EL Öl
  • Salz und frisch gemahlenen schwarzen Pfeffer
  • 1/2 TL Zimt
  • 2 Blutorangen
  • Saft von zwei weiteren Orangen
  • 1/4 TL Chiliflocken
  • eine Handvoll Walnüsse

Den Rotkohl waschen, in vier 3-5cm dicke Spalten schneiden, den Strunk nicht herausschneiden. Mit etwas Öl von allen Seiten einpinseln, salzen und etwa 10 Minuten von allen Seiten gleichmäßig bei höherer Hitze in einer Grillpfanne anbraten. Ofen auf 200°C Umluft vorheizen. Blutorangen wie zum Filetieren vorbereiten: Deckel und Boden abschneiden, auf den Boden stellen und die verbleibende Schale mit einem scharfen Messer von oben nach unten abschneiden, so dass die weiße Haut entfernt wird. Quer in etwa 5mm dicke Scheiben schneiden.

Die Rotkohlspalten von beiden Seiten pfeffern und mit Zimt bestreuen. Dabei die einzelnen Blätter etwas teilen, so dass auch hier Gewürze hingelangen können. In eine ausreichend große feuerfeste Form auf eine der Seiten legen, mit dem Blutorangensaft und dem restlichen Öl begießen und mit Chiliflocken bestreuen. Die Orangenscheiben auf die Kohlspalten legen. Etwa 30 Minuten im Ofen schmoren.

Die Walnüsse in einer fettfreien Pfanne rösten, grob hacken und die Rotkohlspalten zum Servieren damit bestreuen.

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Blutorangenpolenta

für zwei Portionen

  • 40g Instant-Polenta
  • Saft von zwei Blutorangen (125ml)
  • 125ml Gemüsebrühe
  • Salz und frisch gemahlener schwarzer Pfeffer
  • 20g Parmesan, gerieben
  • Chiliflocken zum Bestreuen nach Belieben

Saft und Brühe in einem Topf aufkochen lassen. Polenta einrühren und unter Rühren etwa 5 Minuten bei kleinster Hitze aufquellen lassen. Vom Herd nehmen, Käse einrühren und mit Gewürzen abschmecken.

 

Otto Mazerat

Lesen bis die Augen zufallen.. das schaffe ich zur Zeit einigermaßen regelmäßig. Dabei ist die Lesezeit an sich nicht besonders lang. Die Erschöpfung am Abend ist einfach zu groß – insbesondere diese Woche war vollgepackt mit Terminen, die nicht verlegt werden konnten. Dennoch, der Stapel ungelesener Bücher ist seit Geburtstag und Weihnachten wieder gewachsen und das jetzige Buch fesselt immer noch.

Und obwohl der Titel auf Grass hindeutet und obwohl ich in Lübeck lebe, kann ich Grass nicht zu meinen Favoriten unter den Schriftstellern zählen. Nicht, dass ich es nicht versucht hätte. Gekünstelte Schachtelsätze, verstörend – das ist bisher mein Eindruck. Aber gerade dann, wenn wenig Zeit zum Lesen bleibt, möchte ich die nicht noch mit Literatur füllen, an der ich nicht wirklich Freude habe. Vielleicht gibt es irgendwann ein neues Herantasten.

Hinter dem Titel verbirgt sich außer der Analogie zu Grass – man kann es erahnen – mein Lieblingsotto: Ottolenghi. Und gleichzeitig ein Teil der Zubereitung. Mazeration bezeichnet nämlich nichts anderes als eine Form des Aufschlusses z.B. von Geweben. Hier wird pflanzliches Gewebe durch das Einwirken von Essig- und Salzlösung leicht aufgeschlossen, was es zarter macht. Ähnliches kennt man z.B. bei der Zubereitung von Sauerkraut oder anderen Gemüse- und Obstkonserven. Und dieses Verfahren schafft es sogar, dass ich die rote Zwiebel – sonst ein Ausschluss- oder Veränderungskriterium bei Rezepten – „roh“ esse. Auch diese wird zarter.

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Herr Ottolenghi dagegen hat Wurzelgemüse einem relativ kurzen Mazerationsprozess unterzogen – lediglich 30min muss man warten. Zusammen mit Petersilie, Zitrone und kräftigem Stilton erhält man einen echten Wintersalat, der auch Farbe und Vitamine auf den Teller bringt. Eine kleine Abwandlung habe ich mir zwar während des Zubereitens überlegt, dann aber doch wieder vergessen: Geröstete Nüsse (Hasel- oder Walnüsse) würden sich prima einbringen!

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Wurzelsalat mit Stilton

für zwei gute Portionen

  • 75ml Weißweinessig
  • 3/4 TL Salz
  • 1 TL Vanillezucker
  • 1/2 größere Bete
  • 2 kleinere oder 1 größere Pastinake
  • 2 mittlere Möhren
  • 1/4 einer kleinen roten Zwiebel
  • 80g weißer Rettich oder 7-8 Radieschen
  • etwas mehr als 1 EL Olivenöl
  • 1 TL Zitronensaft und einige Zesten
  • 40-50g Stilton oder anderen kräftigen Blauschimmelkäse
  • 2-3 Stengel Petersilie gewaschen, trocken getupft
  • frisch gemahlener schwarzer Pfeffer

Essig und 250ml Wasser mischen, Salz und Zucker zugeben und rühren, bis sich beides aufgelöst hat. 50ml der Lösung in eine flache Schüssel oder einen tiefen Teller geben, die restliche Lösung in eine zweite, größere flache Schüssel geben.

Rote Bete schälen und in feine Scheiben hobeln oder schneiden, in die kleinere Schüssel geben. Untertauchen und ggf. (mit einem Teller) beschweren. 30min im Kühlschrank ziehen lassen.

Möhren, Pastinaken und Rettich schälen. Alles mit einem Sparschäler in feine lange Streifen schneiden (ich habe meine Pastinaken geschnitten). Die Zwiebel schälen und in sehr feine Streifen schneiden. Alles in die größere Schale geben, untertauchen, ggf. beschweren und ebenfalls 30min in den Kühlschrank stellen.

Bete und die anderen Wurzeln jeweils separat durch ein Sieb geben (das dient nur der Optik – wer nichts gegen rosa verfärbtes Gemüse hat, kann von Beginn an alles zusammengeben), trocken schütteln. Es soll möglicht viel von der Flüssigkeit abtropfen. Währenddessen die Petersilie hacken, Zitrone heiß waschen und einige Zesten (nach Geschmack 1/4 bis 1/2 der Frucht verwenden) reißen.

Gemüse auf einem Teller anrichten, mit Öl und Zitronensaft beträufeln, Petersilie und Stilton in kleineren Krümeln darüber verteilen, Zitronenzesten und Betescheiben darauf geben. Mit Pfeffer würzen.

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Plätzchen mit Links

Dieses Jahr war es besonders schlimm, denn eine Idee hat sich in meinem Kopf eingenistet.. 24 Sorten Plätzchen. Wofür wohl? Ganz habe ich es nicht geschafft. Das lag vor allem daran, dass ich in diesem Jahr so wenig Lust zum Ausstechen und fein dekorieren hatte.Grund dafür ist meine Winzküche mit noch winziger Arbeitsfläche. Zum Dekorieren braucht man Platz. Naja, hoffentlich ändert sich das bald..

Ein wenig Weihnachtsstimmung ist auch schon aufgekommen und am Wochenende habe ich zumindest meinen Kranz und das Glas geschmückt.

Gebacken habe ich 20 Sorten (wobei 2 nicht gebacken sind, sondern die Hitze nur beim Erwärmen der Schokolade zum Tragen kommt). Bis auf eine Sorte hier nur die Links (und Anmerkungen):

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Vl.n.r.

oben:

unten:

  • Gewürz-Cantuccini (lecker! bloß nicht zu viel Schokolade!)
  • Lemon-Meltaways (alltagstauglich)
  • Dattel-Amarettini (auch eine Lecker-Christmas – ziehen schnell Feuchtigkeit, unbedingt schnell verbrauchen oder luftdicht lagern)
  • Kürbiskern-Kipferl (Hm, geschmacklich nicht so anders, aber ein schöner Farbklecks)

Der zweite Schwung:

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V.l.n.r.

oben:

unten

Mitte: Tahini-Plätzchen nach Ottolenghi – herrlich sesamig mürbe (s.u.)

und zuletzt:

(Die beiden anderen Fotos hier sind aus Stocksee. Da war ich am Wochenende auf dem Weihnachtsmarkt – sehr zu empfehlen!)

Tahini-Plätzchen

für etwa 35 (bei mir 40) Stück

  • 130g Zucker (ich: Rohrohrzucker)
  • 150g Butter, zimmerwarm
  • 110g Tahini, hell
  • 4g Vanillezucker (ich: selbstangesetzt)
  • 25g Sahne
  • 270g Mehl
  • etwa 1 TL Zimt zum Bestreuen

Zucker und Butter weiß schaumig rühren. Tahini, Vanillezucker und Sahne zugeben und etwa 1 Minute zu einem glatten Teig verrühren. Das Mehl zugeben und eine weitere Minute unterrühren, bis der Teig glatt und klumpenfrei ist. Eventuell dazu noch auf der Arbeitsfläche durchkneten.

Den Backofen auf 180°C Umluft vorheizen.

Backbleche mit Backpapier auslegen und aus dem Teig Kugeln von etwa der Größe einer kleinen Walnuss formen. Mit einigem Abstand auf das Blech legen und mit der Gabel etwas flacher drücken. Mit Zimt bestreuen und 15-17 Minuten goldbraun backen. Auf einem Gitter auskühlen lassen.

Luftdicht verschlossen aufbewahren. (Ottolenghi gibt eine maximale Dauer von 10 Tagen an.)

Aus Jerusalem

 

 

Frisches Fastfood

Ihr kennt das – Hunger! Wenn es ganz schnell gehen muss, bleiben eigentlich nur ein Brot oder Salat. Wenn man doch noch 20 Minuten warten kann, dann schafft man auch eine Shakshuka. Shak-was? Shakshuka oder auch Shakshouka bezeichnet ein Gericht aus dem Nahem Osten, bei dem Eier in Tomatensauce pochiert werden. Dazu kommen außerdem Paprika, Zwiebeln und Gewürze. Aber es gibt zahlreiche Variationen: Weiteres Gemüse wie Kartoffeln oder Hülsenfrüchte, Feta und Kräuter. Gegessen wird Shakshuka gern zum Frühstück aber es gibt auch Restaurants, die sich diesem Gericht voll und ganz verschrieben haben und es zu jeder Tageszeit servieren.

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Manchmal wird nur auf dem Herd gearbeitet, manchmal auch im Ofen. Bei letzterem (Hugh Fearnley-Whittingstall favorisiert diese Variante) habe ich mir einmal dermaßen beide Handflächen verbrannt, dass ich darauf lieber verzichte!

Mit ein paar Kniffen und relativ wenigen Zutaten gelingt dann auch ein recht schnelles Mittag- oder Abendessen (oder Frühstück, wenn es denn sein soll – ich bin da eher müsliaffin).

Shakshuka

für eine Portion

  • 1/4 TL Kreuzkümmelsamen
  • 1/2 rote Zwiebel in langen Streifen
  • 2 EL Olivenöl
  • 1 Paprika vorzugsweise rot oder gelb
  • 1 TL Rohrohrzucker
  • 1/2 Dose Tomaten in Stücken
  • 1/2 Lorbeerblatt
  • 3 Zweige Thymian
  • 1 EL frischer Koriander
  • 1 Prise Cayennepfeffer
  • 2 Eier
  • Salz und frisch gemahlener schwarzer Pfeffer
  • optional ein paar Safranfäden

Zunächst Zwiebel schälen und in Streifen/halbe Ringe schneiden. Die Kreuzkümmelsamen ohne Öl bei hoher Temperatur in der Pfanne bis zum Duften rösten, Öl und Zwiebel dazugeben und weiterrösten bis sie weich werden und Farbe bekommen. In der Zwischenzeit die Paprika waschen, Kerngehäuse entfernen und in breitere Streifen schneiden. Paprikastreifen in die Pfanne geben, Zucker zufügen und alles verrühren, etwa 5 Minuten bei größerer Hitze anbraten. Die Kräuter vorbereiten: Thymian und Koriander waschen, trocken tupfen. Thymianblättchen abzupfen und mit den Korianderblättern grob hacken. Etwas Koriander zum Dekorieren zurückbehalten. Lorbeer und Tomaten, Kräuter, Cayenne (und Safran) zufügen. Mit Salz und Pfeffer würzen und abschmecken. Alles bei mittlerer Hitze etwa 5 Minuten köcheln lassen, ggf. etwas Wasser zugeben, wenn die Sauce zu dick wird.

Dann mit dem Kochlöffel zwei Vertiefungen in die Sauce drücken/freischieben und je ein Ei darin aufschlagen. Das Eiweiß mit etwas Salz bestreuen und mit aufgelegtem Deckel bei geringer Hitze 10-12 Minuten gerade stocken lassen. Mit frischem Koriander servieren.

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Noch etwas frischer wird es mit reifen Tomaten, die anstelle der Konservenware gewürfelt zugegeben werden. Und mit frischem Brot bekommt man auch die letzten Saucenreste wegschnabuliert!

Shakshuka-Rezepte findet man bei Ottolenghi (in verschiedenen Varianten in diversen Büchern), dem oben erwähnten Hugh Fearnley-Whittingstall (Täglich vegetarisch) und natürlich auf diversen Blogs und im Netz. Kein Wunder bei so vielen Möglichkeiten und der kurzen Zubereitungszeit!

Arielle lässt grüßen

Eine Meeresbrise ist hier oben ja nichts ungewöhnliches (wenn auch ein paar Kilometer Fahrt entfernt), aber heute zeige ich euch eine zum Mitnehmen. Und dazu bin ich nicht mal in Gummistiefeln am Strand mit einem Einmachglas in der Hand herum gesprungen und habe sie euch eingefangen, das ging ohne weiteres auch in meiner Küche, zumal sie dadurch um einiges exotischer wurde! Herr O. durfte helfen, der hat nämlich ganz tolle Vorschläge nicht nur in gedruckter Form, sondern auch online (englisch allerdings). Wer also noch zweifelt, ob ein Buch von Herrn O. tatsächlich etwas für ihn ist, der kann sich dort gern den Mund wässrig machen lassen. Wobei ich gegen reale Hilfe gar nichts einzuwenden gehabt hätte, denn die Schnippelei dauert für diesen Salat doch schon ein kleines Eckchen, wenn man keinen Julienneschneider oder ähnliches zur Hilfe nimmt. Zum langen Dienstag hatte ich dadurch aber ein frisches, sättigendes aber leichtes Mittagessen. Als Beilage kann ich mir den Salat gut zu gebratenem Fisch oder Garnelen vorstellen und vielleicht einen Tick frischen ungegarten Ingwer oder ein paar Chilifäden/-flocken hinzufügen.

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Salat mit Wakame, Ingwer, Möhren und und und

für eine Portion als Hauptmahlzeit oder zwei als Beilage

  • 12g getrocknete Wakame (gibt es im Asialaden, oder online)
  • 12g frischer Ingwer, geschält
  • 1 Möhre, geschält
  • 1/3 Salatgurke, je nach Geschmack mit oder ohne Schale
  • 1/2 Mango, geschält
  • 20ml Reisessig
  • 1/3 TL Zucker
  • 20g Mandeln (original: gesalzene, geröstete Erdnüsse)
  • 1 TL Sesamsamen
  • ein großzügiger Spritzer Limettensaft
  • ein ebenso großzügiger Schluck Erdnussöl
  • je eine Handvoll Koriander und Minze
  • Salz

Die Algen in einer Schale mit kaltem Wasser bedecken und 30 Minuten stehen lassen, dann abgießen und sanft ausdrücken. Währenddessen Möhre, Ingwer und Mango in feine Streifen schneiden. Kerngehäuse der Gurke mit einem Löffel herausschaben und das Fruchtfleisch ebenfalls in feine Streifen schneiden. In einem großen Topf Wasser zum Kochen bringen, Wakame und Ingwer darin 2 Minuten blanchieren, dann Möhrenstreifen zufügen und weitere 2 Minuten blanchieren. Abgießen, sanft ausdrücken und in eine Schale geben, noch heiß mit dem Reisessig übergießen, Zucker und etwa 1/3 TL Salz zufügen und gut untermischen. Während die Mischung abkühlt in einer Pfanne ohne Fett Mandeln rösten, bis sie leicht duften, salzen und beiseite stellen. Sesam ebenfalls fettfrei rösten, bis er duftet. Koriander und Minze waschen, trocken tupfen, Blätter abzupfen und grob hacken. Ist die Salatmischung abgekühlt, werden die restlichen Zutaten (evtl. bis auf die Mandeln & Sesamsamen) zugegeben und untergemischt. Mit Salz abschmecken (wie gesagt: für mich noch etwas mehr Schärfe). Mandeln und Samen darüber geben.

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Vorher                                                                                Nachher

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Da ich den Salat mit zur Arbeit genommen habe, wurde er abends vorbereitet und die Mandel/Sesammischung habe ich separat in einem Gläschen mitgenommen und erst vor dem Essen darüber gegeben.

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Rezept abgewandelt nach Ottolenghi.

Etwas aus dem Kasten haben

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Dass ich in der Situation bin, ein wenig selbstversorgend Kräuter und Salat auf dem Balkon anzubauen, macht mich glücklich. Ich beobachte gern das Wachsen und Heranreifen der Pflanzen und Früchte. Streiche gern über die Blätter, die ihr Aroma mitteilen und verwende natürlich möglichst viel davon auch in der Küche. Dieses Jahr wächst das Basilikum – rot und grün – ordentlich und da ich es am liebsten frisch mag, möchte ich heute ein Rezept zeigen, in dem dieses Kraut mindestens die zweite Hauptrolle einnimmt und damit als Salatersatz in Aktion tritt. Aufgrund der Einfachheit und der schönen Kombination der Aromen ist dies wohl eines der am meisten gebloggten Rezepte aus Ottolenghis Genussvoll vegetarisch. Für mich ein komplettes Mittag- oder Abendessen, aber auch eine wunderbare Beilage zu Gegrilltem, Brot, zum Picknick oder fürs Lunchpaket.

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Zucchini-Haselnuss-Salat

für eine Person

  • ein kleiner Zucchino (etwa 200g)
  • 12g Haselnüsse, ganz
  • 1 TL Olivenöl
  • ein Spritzer Balsamico
  • eine gute Handvoll Basilikum rot und grün
  • Parmesan nach Belieben (20g sind empfohlen, mir reicht etwas weniger)
  • 1 TL Erdnussöl (ideal: Haselnussöl)
  • Salz und frisch gemahlener schwarzer Pfeffer

Die ganzen Haselnüsse im Ofen bei 150°C auf einem mit Backpapier ausgelegtem Backblech etwa 12 Minuten rösten (ich nutze dazu den Umluftgrill, 2. Schiene von oben). Währenddessen eine Pfanne stark auf der Herdplatte erhitzen (im Original wird eine Grillpfanne erhitzt, bis sie fast glüht), Enden vom Zucchino ab- und den Rest in etwa 1cm dicke Scheiben schneiden, mit Olivenöl, Salz und Pfeffer in einer Schale vermengen und dann etwa 2 Minuten von jeder Seite scharf anbraten. Die Zucchinischeiben sollten dabei nicht ganz gegart werden, sondern noch Biss behalten. Dann aus der Pfanne nehmen, in eine Schale geben und mit dem Balsamico beträufeln, abkühlen lassen. Die Haselnüsse erkalten lassen, evtl. vorhandene Schalenhaut abreiben, indem man die Nüsse mit einem Tuch abreibt und mit einem Messerrücken grob zerdrücken. Basilikumblätter abzupfen, waschen und trockenschleudern oder -tupfen. Zucchinischeiben und Basilikum kurz mischen und anrichten, Haselnüsse und Parmesanhobel darüber geben und mit Nussöl beträufeln.

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Ein Schälchen Sommersalat

Ich bin ein Sammler. Das ist ja vielleicht schon bekannt und geht vielen ebenso: Geschirr, (Koch)Bücher, Gewürze, Kräuter,.. für einiges hab ich leider einen ziemlich ausgeprägten Sammeltrieb. Bei Schuhen und Taschen hält sich das eher in Grenzen – ist ja jeder anders. Bei den kostenlosen Zeitungen, die man an der Kasse findet, greife ich auch öfter zu, denn da verstecken sich ab und an richtig gute Rezepte! So dann auch bei einem Magazin, dass ich auf dem Tresen meiner Tanzschule entdeckte. Darin ein Rezept für Tomatensalat mit gerösteten Zitronen von Yotam O. Empfohlen zum Grillen, da kann ich mir den Salat auch wirklich gut vorstellen, auch zu Bulgur, Feta, einem guten Brot…

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Frische Kräuter, aromatische Tomaten, ein bisschen „Zing“ und beim nächsten Mal ein Tick mehr Schärfe (Chili?), ein richtiger Sommersalat eben!

Ich habe die Mengen etwas verändert, wer das originale Rezept sehen möchte, schaut hier: Klick (S. 20). Auf den Fotos sind die Zutaten und die Salatmenge für eine Portion zu sehen.

Tomatensalat mit gerösteten Zitronen

für 2 Portionen

  • 1 Bio-Zitrone, heiß abgespült und abgetrocknet, längs halbiert und in 2mm dünne Scheiben geschnitten, ohne Kerne
  • 3 TL Olivenöl
  • 1/4 TL Zucker
  • 6 Salbeiblätter, gewaschen, trocken getupft, in feine Streifen geschnitten
  • 260g Kirschtomaten rot, gelb, orange, grün, geviertelt
  • 2 gute Prisen Piment, gemahlen
  • 8g Minzeblättchen (Orangenminze)
  • 5g rotes Basilikum, grob gehackt
  • 60g Granatapfelkerne
  • 2,5 TL Grenadine (Granatapfelsirup)
  • 1/2 Schalotte, fein gehackt
  • Salz und frisch gemahlener schwarzer Pfeffer

Ofen auf 170°C (Umluft) vorheizen, Zitronenscheiben in kochendem Wasserbad zwei Minuten blanchieren, dann in ein Sieb geben und abtropfen lassen. In der Zwischenzeit Salbei mit 1 TL Olivenöl, 1/4 TL Salz und Zucker in einem Schälchen mischen, die abgetropften Zitronenscheiben zugeben und alles mischen. Diese Mischung auf ein mit Backpapier ausgelegten Backblech verteilen und etwa 15-20 Minuten in den Ofen geben, bis die Zitronen leicht trocken sind. Zum Abkühlen herausnehmen.

Die restlichen Zutaten mit dem übrigen Öl in einer Schale vermengen und mit Salz und Pfeffer würzen. Die Zitronen-Salbei-Mischung zugeben und vorsichtig unterheben, abschmecken.

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Lovely London

An den Instagramfotos hat man es schon sehen können: In der letzten Woche war ich in London. Und es war toll! So eine großartige Stadt, so vielfältig – alt neben neu. Glas neben Grün. Menschen unterschiedlichster Abstammung, die alle ihren Teil zu den tausenden Facetten Londons beitragen. Das gilt natürlich auch für die Küche. Neben den typisch englischen Pubs findet man Restaurants jeglicher Nation und viele, deren Speisen verschiedensten Einflüssen unterliegen. Fusion-Food, dieser Eklektizismus begeistert mich sehr. Selbstverständlich haben wir alles mögliche probiert. Vom obligatorischen Fish & Chips und Sunday Roast (meine vegetarische Variante bestand aus einer Spinat-geräucherter-Cheddar-Kartoffel-gefüllten Pastete, Gemüse und Kartoffelbrei), über italienisches, indisches (später mehr dazu) und türkisches Essen. Besonders gefreut habe ich mich aber auf schon monatelang geplante kulinarische „Events“: Ein Besuch bei Ottolenghi in Spitalfields und eine moderne englische Tea time bei The Modern Pantry.

Ottolenghi in Spitalfields ist clean aber gemütlich eingerichtet, mit vielen Plätzen auf die Fläche bezogen und gleich am Eingang erwartet einen das kalte Buffet, appetitanregend aufgebaut, wie man das auch auf der Homepage bewundern kann (schaut mal bei Notting Hill, in Spitalfields ist das sehr ähnlich). Das Restaurant wurde erst am 30. März eröffnet, das Personal ist sehr aufmerksam und freundlich und man kann in einem kleinen Shop auch die Ottolenghiprodukte kaufen, wenn man denn möchte.

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Das Essen bei Ottolenghi ist bekanntlich stark orientalisch/israelisch geprägt und funktioniert zumindest teilweise nach dem Share-Prinzip. Man bestellt also mehrere Vorspeisen/Starters, bekommt eine Auswahl verschiedener Brote und Olivenöl und probiert sich überall mal durch. Wir entschieden uns für Geröstete Aubergine mit würzigem Walnuss-Joghurt, Granatapfeldressing und Koriander; Gegrillte Pfirsiche mit gewürzten Walnüssen, Roquefort und Orangenblütendressing auf bitteren Salaten und Harissa-Karottenpüree mit Microkräutern (eben Minibasilikum & Co), Kreuzkümmel, Labneh, gerösteten Haselnüssen, Granatapfel und Rosenwasser. Alles sehr fein und mir hat vor allem die Verwendung der Blütenwässer gefallen. Das Brot dazu war auch wirklich gut, frisch und besonders das Maisbrot war sehr gut.

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Von den Hauptgängen habe ich nicht alle aufs Foto gebannt, es gab: Gefüllte in Tempura frittierte Zucchiniblüten mit Ricotta und Trüffel-Honig und „Schneeflöckli“ (die wurden jedoch nicht gesehen, ob die Kekse??? in der Füllung steckten?); in der Pfanne gebratener Wolfsbarsch mit Tomatensalsa, Basilikumlabneh und Fenchel-Kohlrabisalat sowie Gerösteten Blumenkohl mit Tahinidressing und Aleppo-Chili.

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Der Rat „Leave some room for desert – that’s the best!“ wurde befolgt und so bestellten wir Strawberry Cheesecake, Chocolate Fudge Cake und Mixed Berry Financier mit Mascarpone – mmmh! Dazu guten Kaffee.

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The Modern Pantry ist ebenfalls sehr klar eingerichtet, etwas skandinavisch angehaucht. Auch hier ist der Service prima. Den Afternoon Tea bekommt man typischerweise auf einer Etagere angerichtet. Meine pescetarische „Extrawurst“ wurde auch auf einem Teller separat angerichtet, damit man nicht durcheinander kommt. Als schöner Kontrast dazu bekam jeder individuell zusammengestelltes Geschirr aus Sammelteeservicen. Die Auswahl an Tee ist gut, vorwiegend Schwarztee, jeder erhält ein eigenes Kännchen. Aber auch der Kaffee war ok (etwas stark für meinen Geschmack). Die Sandwiches und Küchlein sind allesamt wirklich modern interpretierte Teile einer klassischen Tea time:IMG_8318 IMG_8316

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Es gab: Pfirsich-Bellini, und auf der Etagere von unten nach oben und im Uhrzeigersinn: Blätterteig mit karamellisierten Zwiebeln, schwarzen Oliven und Urfa-Pfeffer; Chiasamenbrot (sehrlecker!) mit getrüffeltem Erbsenpüree, Minze und Zucchini; (2x) Scone mit sonnengetrockneten Tomaten, Parmesan und Senfsamen und Ziegenfrischkäse; nicht mehr zu sehen ist ein anderer Teil der herzhaften Bestandteile: Sandwich mit gebratenem Huhn, Stachelbeerrelish und Schwarzkümmelsamenmayonnaise (was ich als Ersatz hatte, weiß ich schändlicherweise gar nicht mehr); darüber beginnen wir mit den süßen Teilchen: im Glas: Schokolade-Aleppo-Chili-Pudding mit Schoko-Chili-Knuspertafel; dahinter (und besser ganz oben in der Mitte zu sehen) Rosenwasser-Sauerkirsch-Scone mit Beeren-Lakritz-Marmelade und Clotted Cream („Streichrahm“); dahinter und ganz rechts der herrliche Battenberg-Kuchen mit Kaffee und Malz; ganz hinten und im Vordergrund die beiden Dreiecke sind Passionsfrucht-Vanille-Marshmallows – meine Alternative dazu war oben der knusprige Flapjack (rechts hinten); und in der Mitte (bzw. oben vorn links) Holundercremetarte mit frischen Beeren. Sehr lecker und eine tolle Zusammenstellung verschiedenster Brotsorten und Geschmäcker!

Wer also über englisches Essen schimpft, kann London an sich nicht meinen. Hier kann man wirklich kulinarisch glücklich werden!

Und auch sonst – architektonisch ist die Stadt so vielfältig, so interessant! Und in der Zeit war natürlich nur ein kleiner Teil zu erkunden. Eine kleine Collage zu den Eindrücken (und ansonsten viel mehr Instagram-Fotos – klick):

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Ottos Omelett

Eine gute Handvoll Kräuter bereichert jedes Gericht. Hier sind es Minze und vor allem Dill. Dass Dill so eine große Rolle in der persischen Küche spielt, war mir bis vor einigen Jahren gar nicht so bewusst. Bis dahin kannte ich das Kraut vor allem als Gewürz für eingelegte Gurken und Gurkensalat, Kartoffeln und zu Fisch. Als ich nach Lübeck zog, besuchte ich nach kurzer Zeit ein persisches Restaurant und – Überraschung – fast jedes Reisgericht enthielt Dill. Auch die hier verwendeten dicken Bohnen kannte ich kaum aus der heimischen Küche – irgendwie kamen die in unserer Familie nicht in den Topf. Im Garten wuchsen fast jedes Jahr Prunkbohnen, aber gegessen wurden sie nicht. Busch- und Stangenbohnen waren dagegen auch auf dem Teller vertreten.

Die Omelettvariante von Ottolenghi und Tamimi aus Jerusalem
passt mit einem kleinen Salat als leichtes Hauptgericht gut in diese Jahreszeit.

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Omelett mit Dicken Bohnen nach Ottolenghi & Tamimi

für eine Person als Hauptgericht

– etwa 80g ausgelöste dicke Bohnen

– 1/2 TL Rohrohrzucker

– 8g Berberitzen, getrocknet (als Ersatz werden getrocknete und gehackte Sauerkirschen vorgeschlagen)

– 1 TL Milch

– 4-5 Safranfäden

– 1 EL Olivenöl

– 1 kleine Schalotte

– 2 Eier (M)

– 1/2 TL Mehl

– 1/4 TL Backpulver

– 1 EL Dill, gehackt

– 1 1/2 TL Minze, gehackt

– Salz und frisch geriebener schwarzer Pfeffer

(im Original kommt noch 1 kleine zerdrückte Knoblauchzehe dazu)

– etwas Salat zum Anrichten (hier: mit Cherrytomaten und etwas Granatapfelessig)

Zunächst Milch mit 1 TL heißem Wasser und den Safranfäden in der Mikrowelle bis zum Sieden erhitzen, herausnehmen und ziehen lassen. Aus 1 1/2 EL heißem Wasser und Zucker einen Sirup in einem Schälchen herstellen und die Berberitzen zugeben, etwa 10 Minuten einweichen lassen.

In der Zwischenzeit Bohnen 1 Minute in reichlich kochendem Wasser blanchieren, abgießen und kalt abschrecken.

Backofen auf 180°C vorheizen. Schalotte fein hacken. Die Hälfte des Olivenöls in einer kleinen ofenfesten Pfanne (mit Deckel!) erhitzen, die Schalotten bei mittlerer Hitze einige Minuten unter Rühren anschwitzen. Die Bohnen dazugeben und beiseite stellen.

Eier mit Mehl, Backpulver, der Safranmilch und den Kräutern in einer Schale verrühren, kräftig mit Salz und Pfeffer würzen. Berberitzen abgießen und hinzufügen, Bohnenmischung zugeben und gut mit der Eiermischung vermengen. Pfanne mit Küchenpapier auswischen und restliches Olivenöl hineingeben, Pfanne kurz in den Ofen stellen, bis das Öl heiß ist.

Tollpatsche wie ich legen sich jetzt bereits die Ofenhandschuhe/Topflappen gut sichtbar hin, so dass man sie definitiv nicht übersehen kann. Da kommen sie bitte auch während des ganzen Kochprozesses nicht weg, erst, wenn das Essen auf dem Teller ist und die Pfanne ihren endgültigen Platz zum Abkühlen erreicht hat, werden sie weggeräumt!

Die Pfanne herausnehmen, die Eiermischung in die Pfanne gießen und zugedeckt etwa 15 Minuten stocken lassen. Danach den Deckel abnehmen und weitere 15-20 Minuten backen. Aus dem Ofen nehmen, etwa 5 Minuten abkühlen lassen und dann auf einem Teller mit Salat (lau)warm servieren.

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