Von Ideen

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Laut Walter Moers sind Ideen in unseren Köpfen zu Hause. Gute Ideen erkennt man daran, dass sie größer sind als schlechte und strahlend leuchten. Sie entstehen aus sich treffenden Lösungen, welche sich ergeben, wenn Frage und richtige Antwort aufeinander treffen.

Seit einiger Zeit leuchtete sie großflächig in mir. Die Frage lautete wohl: Wie kann man den Geschmack von Kaffee-Sahne-Schokolade und Hefegebäck verbinden? Die Antwort: Schneckenkuchen! Und dann trafen sich auch schon die aufkeimenden Lösungen: Vollmilchschokolade und Espresso! Sahne-Frischkäse-Guss! –Peng!– Die Idee war geboren und klammerte sich blinkend in den Hirnwindungen fest. Schließlich ist Kaffee-Sahne-Schokolade ein Liebling von mir. Altmodisch, oder? Aber ich mag diesen nicht zu überwältigenden Kaffeegeschmack hier sehr gern. Bis es tatsächlich zur Umsetzung kam, dauerte es allerdings ein gutes halbes Jahr. Gut Ding…

Und was hab ich mich gefreut, dass die Schokolade mit zugegebenem Espresso genau so! schmeckt. Klar, die könnte man auch solo genießen und auch als Torte oder Füllung für eine Tarte wäre der Geschmack intensiver. Hefeteig ist eben auch Teig, der das Aroma abmildert. Das Ergebnis lässt sich aber sehen und wird auf der Kaffeetafel sicher nicht lange stehen. Wer mehr Kaffeearoma möchte, kann also auch noch einen Espresso-Sirup köcheln, die Option ist unten auch beschrieben.

Schneckenkuchen

für eine Springform von 26-28cm, für eine 18-20cm Form Mengen halbieren

Die Fotos sind von beiden Formen entstanden, ich habe beide probiert und getestet.

Hefeteig

  • 500g Mehl 405
  • 21g Hefe, frisch (1/2 Würfel)
  • 3g Salz
  • 25g flüssige Butter
  • 25g neutrales Öl (z.B. Rapsöl)
  • 1/2 verschlagenes Ei oder 2 EL Joghurt
  • 40g Vanillezucker, selbstgemacht
  • 70ml lauwarme Milch
  • 90ml lauwarmes Wasser
  • 50ml frischer Espresso

Alle Zutaten zu einem feuchten aber glatten Teig verkneten und abgedeckt 30 Minuten an einem warmen Ort (Ofen mit eingeschalteter Beleuchtung) gehen lassen. Dann kurz durchkneten und erneut gehen lassen, bis sich das Volumen verdoppelt hat.

In den letzten Minuten der Gehzeit die Schoko-Kaffee-Fülle zubereiten. Dazu

  • 250g Vollmilchschokolade schmelzen und
  • 80ml frischen Espresso sowie
  • 2 EL Sahne

einrühren. Es kann sein, dass die Schokolade zunächst etwas fester wird, bei Zugabe von weiterem Espresso wird sie aber schön cremig und glänzend.

Den Hefeteig nun einmal gut durchkneten und auf einer bemehlten Arbeitsfläche zu einem langen Rechteck etwa 0,5cm dünn ausrollen. Je nach Größe der Arbeitsfläche Teig teilen und einzeln ausrollen. Gleichmäßig mit der Füllung bestreichen, dabei etwas Platz an den Rändern lassen. An der langen Seite aufrollen.

Eine Springform mit Backpapier auslegen und den Rand fetten. Die Rolle(n) nun in etwa 3cm lange Abschnitte schneiden und diese mit der Schnittseite nach oben in die Form setzen. Form erneut abdecken und weitere 30 Minuten warm gehen lassen.

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(Form aus dem Ofen nehmen und) Ofen auf 160°C Umluft vorheizen. Hefeschnecken mit etwas zerlassener Butter, restlichem Ei oder Sahne bepinseln und 25-30 Minuten goldbraun backen.

In der Zwischenzeit kann der Frischkäse-Guss und der Espresso-Sirup hergestellt werden:

Frischkäse-Sahne-Guss

  • 100g Frischkäse
  • 4 EL Kaffeesahne (oder Sahne)
  • 25g Puderzucker

Alle Zutaten zu einer cremigen Masse verrühren.

Espresso-Sirup

  • 225ml starker Kaffee
  • 100g Zucker

Verrühren, bis der Zucker aufgelöst ist, aufkochen und bei kleiner Hitze und gelegentlichem Rühren einkochen lassen, bis die Flüssigkeit noch nicht ganz so viskos ist wie Sirup (beim Abkühlen dickt der Sirup noch ein!). Zum Anpassen kann sonst erneut Wasser bzw. Kaffee zugegeben werden.

Die Hefeschnecken aus dem Ofen nehmen, die Form auf ein Kuchengitter stellen und noch warm gleichmäßig mit dem Frischkäseguss bedecken. Abkühlen lassen (naja, zumindest lauwarm!), dann mit einem Messer vom Springformrand lösen und nach Belieben mit Sirup servieren.

Ein süßes Rezept, das ich gern bei Tinas Backevent einreichen möchte.

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Plätzchen mit Links

Dieses Jahr war es besonders schlimm, denn eine Idee hat sich in meinem Kopf eingenistet.. 24 Sorten Plätzchen. Wofür wohl? Ganz habe ich es nicht geschafft. Das lag vor allem daran, dass ich in diesem Jahr so wenig Lust zum Ausstechen und fein dekorieren hatte.Grund dafür ist meine Winzküche mit noch winziger Arbeitsfläche. Zum Dekorieren braucht man Platz. Naja, hoffentlich ändert sich das bald..

Ein wenig Weihnachtsstimmung ist auch schon aufgekommen und am Wochenende habe ich zumindest meinen Kranz und das Glas geschmückt.

Gebacken habe ich 20 Sorten (wobei 2 nicht gebacken sind, sondern die Hitze nur beim Erwärmen der Schokolade zum Tragen kommt). Bis auf eine Sorte hier nur die Links (und Anmerkungen):

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Vl.n.r.

oben:

unten:

  • Gewürz-Cantuccini (lecker! bloß nicht zu viel Schokolade!)
  • Lemon-Meltaways (alltagstauglich)
  • Dattel-Amarettini (auch eine Lecker-Christmas – ziehen schnell Feuchtigkeit, unbedingt schnell verbrauchen oder luftdicht lagern)
  • Kürbiskern-Kipferl (Hm, geschmacklich nicht so anders, aber ein schöner Farbklecks)

Der zweite Schwung:

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V.l.n.r.

oben:

unten

Mitte: Tahini-Plätzchen nach Ottolenghi – herrlich sesamig mürbe (s.u.)

und zuletzt:

(Die beiden anderen Fotos hier sind aus Stocksee. Da war ich am Wochenende auf dem Weihnachtsmarkt – sehr zu empfehlen!)

Tahini-Plätzchen

für etwa 35 (bei mir 40) Stück

  • 130g Zucker (ich: Rohrohrzucker)
  • 150g Butter, zimmerwarm
  • 110g Tahini, hell
  • 4g Vanillezucker (ich: selbstangesetzt)
  • 25g Sahne
  • 270g Mehl
  • etwa 1 TL Zimt zum Bestreuen

Zucker und Butter weiß schaumig rühren. Tahini, Vanillezucker und Sahne zugeben und etwa 1 Minute zu einem glatten Teig verrühren. Das Mehl zugeben und eine weitere Minute unterrühren, bis der Teig glatt und klumpenfrei ist. Eventuell dazu noch auf der Arbeitsfläche durchkneten.

Den Backofen auf 180°C Umluft vorheizen.

Backbleche mit Backpapier auslegen und aus dem Teig Kugeln von etwa der Größe einer kleinen Walnuss formen. Mit einigem Abstand auf das Blech legen und mit der Gabel etwas flacher drücken. Mit Zimt bestreuen und 15-17 Minuten goldbraun backen. Auf einem Gitter auskühlen lassen.

Luftdicht verschlossen aufbewahren. (Ottolenghi gibt eine maximale Dauer von 10 Tagen an.)

Aus Jerusalem

 

 

Die Hallo-wach-Granita

Kaffee mochte ich lange Zeit nicht. Der Duft toll! – aber der Geschmack. Bäh! Ich erinnere mich an mein erstes Gespräch mit dem neuen Chef nach dem Studium. Kaffee wurde angeboten und dazu keine Milch, nur Kaffeeweißer war in Sicht. Die halbe Tasse Kaffee mit zwei Teelöffeln Pulver war wirklich widerlich für mich.

Solange genug Milch vorhanden ist, trinke ich Kaffee sehr gern, dann schätze ich auch das herbe Aroma durchaus. „Mädchenkaffee“ nenne ich die Macchiatos, Cappuccinos, Milchkaffees, Flat Whites etc., in Anlehnung an das sogenannte Mädchenbier, also die „leichten“, weniger herben Biere, oft Biermixe. Kaffee pur oder auch nur gesüßt ist einfach nicht meins. Früher empfand ich das immer als untypisch, stets wurde ab einem „gewissen Alter“ – gefühlt ab 18 – erwartet, dass man Kaffee trinkt. Inzwischen kenne ich genug Leute, denen es genauso geht wie mir auch.

Kaffee mit Milch ist bekömmlicher, weniger herb und! verlangsamt und verlängert die Wirkung des Koffeins. Auch Kardamom hat diese Wirkung und sorgt für ein unvergleichliches Aroma. Mein Papa versetzt seinen Kaffee morgens gern mit Kardamom, den ich auch in Gebäck sehr gerne nutze, und hat sogar auf Reisen eine kleine Gewürzmühle dabei. Man sagt Kardamom ebenfalls eine anregende und magenstärkende Wirkung nach.

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Beim folgenden Rezept vermisse ich Milch keinesfalls und der dazugegebene Klecks Sahne, Joghurt, Crème fraîche o.ä. ist fakultativ, schadet aber auch nicht.

Kaffee-Granita mit Kardamom

für etwa 600ml

  • 500ml starker Kaffee, besser Espresso
  • 6 EL Zucker
  • Samen von 3 Kardamomschoten
  • ggf. etwas geschlagene Sahne, Crème fraîche, Joghurt o.ä.
  • ggf. frisches Obst wie Mango, Himbeeren, Birnen

Heißen Kaffee mit Zucker mischen und umrühren, bis sich der Zucker gelöst hat. Kardamomsamen im Mörser zerstoßen und zum Kaffee geben. Möchte man die Samenteile nicht in der Granita haben, entfernt man sie, indem man die Mischung nach dem Abkühlen durch ein Sieb gießt. Die abgekühlte Mischung in ein gefriergeeignetes Gefäß geben und tiefkühlen. Nach etwa einer Stunde beginnen, mit einer Gabel die entstandenen Eiskristalle zu zerkleinern. Erneut einfrieren. Etwa alle 15-20 Minuten wiederholen, bis nur kleine Kristalle vorhanden sind. (Es geht auch einfacher unter Einsatz eines scharfen Messers.) Nach Wunsch mit Obst und Sahne etc. garnieren und zügig genießen.

Andere Gewürze als Variante, Vanille, Zimt, Chili oder eine Gewürzmischung,kann ich mir ebenfalls sehr gut vorstellen.IMG_8793

Pflaumen-Frangipane-Tarte und kalter Kaffee – lecker in den Sonntag

Inzwischen merkt man wieder sehr deutlich, dass die Tage kürzer werden, es wird früher dunkel. Ich kann jeder Jahreszeit etwas abgewinnen, aber muss man sich daran gewöhnen, dass es keinen „richtigen“ Sommer mehr gibt? Ist das jetzt unser Sommer? Zwei Tage (gefühlt, gezählt habe ich zugegeben nicht) über 30°C bisher, tagelang Regen und konsequentes Unterschreiten der 20°C-Marke, Nächte unter 10°C. Mir fehlt richtiges Sommerwetter. Oder einfach mal eine Woche Wärme und Sonnenschein. Aber all das (Jammern und Meckern) hilft ja auch nicht. Ändern kann ich am Fortschreiten der Zeit nichts, und der August, erntetechnisch betrachtet, bedeutet:

Die Steinfrüchte kommen! Die meisten Beeren werden von Aprikose, Pfirsich und Pflaume abgelöst. Schade? Ja, aber nicht weniger lecker! Und so bringe ich heute ein Rezept für eine kleine einfache Pflaumentarte mit. Mandelcreme, blättrig mürber Boden und saftige Pflaumen schmecken unabhängig davon, welche Temperaturen gerade draußen herrschen.

IMG_8655Also ran an die Obstmesser und Rührschüsseln:

Pflaumen-Frangipane-Tarte

für eine Tarteform mit 20cm Durchmesser

– 50g kalte Butter in Flöckchen und etwas zum Einfetten der Form

– 30g Pflanzenmargarine oder weitere Butter (ich habe Lätta+Butter verwendet) in Flöckchen

– 110g Mehl

– 1/4 TL Salz

– 1 TL Zucker

– 30ml kaltes Wasser

– 30g Butter

– 30g Zucker

– 50g gemahlene Mandeln, blanchiert

– Saft und Schale von 1/2 Zitrone

– 2 EL Milch

– 1 TL Speisestärke

– 7-8 Pflaumen (Zwetschgen) oder anderes Steinobst, so dass die Form ausgefüllt wird

– 1-2 TL Rohrohrzucker zum Bestreuen

– etwas Zimt zum Bestreuen

Mehl, Salz, Zucker und Butter zügig zu einem Teig verarbeiten. Dabei sollte die Butter nicht weich werden. Wasser zugeben und alles zu einem glatten Teig verkneten. Eine gefettete Form damit auskleiden und bis zur weiteren Verwendung in den Kühlschrank stellen. In der Zwischenzeit die Frangipanemasse* vorbereiten. Dazu Zucker und Butter mit einem Mixer weiß schaumig schlagen, dann mit Milch, Mandeln und Zitronensaft/-schale sowie die Stärke verrühren. Obst je nach Art waschen, schälen, entkernen und klein schneiden. Ich habe die Pflaumen geviertelt.

Ofen auf 190°C Umluft vorheizen, Tarteform aus dem Kühlschrank holen und mit einer Gabel mehrfach den Boden einstechen. Frangipanemasse darauf verteilen und das Obst nach Wunsch darauf verteilen. Mit Zucker bestreuen und dann für etwa 20-25 Minuten in den Ofen geben. Zur Kontrolle testet man den Tarteteig mit einer Gabel oder einem Holzstäbchen. Dieser sollte knusprig und nicht mehr weich sein.

Tarte auskühlen lassen und nach Belieben mit etwas Zimt bestreuen.

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Bei heißem Wetter passt dazu außer Tee ein Cold-Brew-Macchiato.

Kalt ausgezogener Kaffee ist seit Jahren über dem großen Teich Thema, kam aber hierzulande erst in diesem Jahr in die meisten Cafés. Es ist eine einfache Methode, einen intensiven, aromatischen (je nach Kaffeequalität natürlich) Kaffeeextrakt herzustellen. Dieser Extrakt wird dann nach Belieben mit heißem oder kaltem Wasser verdünnt oder wie bei mir mit Eiswürfeln und Milch & Milchschaum zum Macchiato umgemünzt.

Cold-Brew Macchiato

für etwa 100ml Extrakt (hält sich im Kühlschrank etwa eine Woche in einem verschließbaren Gefäß)

– 100g Kaffee (Espresso),gemahlen

– 500ml kaltes Wasser

Wasser und Kaffeepulver in einem Gefäß mischen und am besten über Nacht, mindestens aber 12 Stunden abgedeckt bei Zimmertemperatur stehen lassen. Nach abgelaufener Zeit durch einen Kaffeefilter in eine verschließbare Flasche o.ä. geben.

So weit dazu.

Für den kalten Macchiato habe ich 3 Eiswüfel mit etwa 20-25ml des Extraktes in ein Glas gegeben, 50ml kalte Milch und Milchschaum aus 50ml Milch dazugegeben.

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Möchte man nun aus dem Extrakt lieber einen Kaffee ohne Milch, empfiehlt sich ein Mischungsverhältnis Extrakt:Wasser von 1:2. Hier kann man noch nachlesen, was der Unterschied zu Ice Brew Kaffee ist und wie man mit Speiseeis auch leckeren Eiskaffee damit herstellen kann.

* In einer originalen Frangipane, also einer Masse, die Mandelaroma trägt, steckt auch Ei zur Bindung. Hier habe ich das Problem, dass ein ganzes Ei zuviel für diese kleine Tarte wäre. Die Creme bleibt daher auch nach dem Backen eine Creme und wird nicht puddingähnlich.