Späte Liebe

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Für einige Dinge braucht man ganz schön lange im Leben. Zum Beispiel, um zu erkennen, dass Kokosmilch ziemlich lecker sein kann. Dass sich der eigene Geschmack ändert, ist ja nichts Neues. Als Kind mochte ich weder Senf, noch Meerrettich, keine Oliven, geschmorte Paprika waren mir ein Graus und Kokosflocken kann ich bis heute nicht leiden. Die Konsistenz – wie Papier – das geht für mich gar nicht, alles bountyeske bleibt unbeachtet. Dass ich aber das Kokosaroma sehr gern mag, war aufgrund der Abneigung den Flocken gegenüber, viel zu lange unklar. Umso schöner, wenn sich hier kulinarische Aha!-Momente einstellen. Wie auch bei dieser kalten Gurkensuppe, die man zu den verbleibenden warmen Spätsommertagen genießen kann. Kokosmilch und Joghurt machen sie samtig und erfrischend, Ingwer bringt einen Hauch Schärfe und sie ist zum Glück auch ganz fix gemacht!

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Kalte Gurken-Kokossuppe

für eine Portion

  • 1/2 Salatgurke, nach Belieben geschält
  • 125ml Gemüsebrühe
  • 1cm frischer Ingwer, geschält
  • 100g Kokosmilch
  • 40g Naturjoghurt
  • Salz und frisch gemahlener Pfeffer
  • etwas Minze
  • 3-4 Mandeln oder einige Mandelblättchen

Die Gurke halbieren und das Kerngehäuse herauskratzen. Mit einem Kugelausstecher einige Gurkenkügelchen formen. Gurkenbällchen kalt stellen (je nach Wunsch in den Kühlschrank oder in das Eisfach). Die restlich Gurke grob zerkleinern, mit der Gemüsebrühe und dem geriebenen Ingwer pürieren. Durch ein Sieb passieren und gut mit Kokosmilch und Joghurt vermischen, kurz aufschäumen und mit Salz und Pfeffer abschmecken. Kalt stellen. (Grob in Scheiben geschnittene)  Mandeln in einer fettfreien Pfanne leicht anrösten und zusammen mit den Gurkenbällchen als Garnitur auf die Suppe geben. Ein paar abgezupfte Minzeblättchen zufügen.

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Suppe muss also nicht immer heiß sein, die Zeit kommt auch schon bald wieder! Heiß & kalt ist auch das aktuelle BlogEvent Thema bei Kochtopf und dieses Rezept mein Beitrag dazu. Schaut mal vorbei, bisher sind schon einige schöne Rezepte aufgeführt!

Blog-Event CXII - Heiss & Kalt (Einsendeschluss 15. September 2015)
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Bunt.

Stell dir vor, in deiner Heimat ist die politische Situation seit Jahren oder Jahrzehnten instabil. Stell dir vor, es gibt Anschläge in deiner Heimatstadt, von Terroristen ausgeübt, die andere ihrer Religion wegen verfolgen, Männer, Frauen, Kinder, Kranke, Alte – egal. Stell dir vor, es bricht Bürgerkrieg aus. Du willst weg, willst deine Familie in Sicherheit wissen. Du nimmst das Nötigste mit, vielleicht, wenn es geht, auch etwas, an dem du sehr hängst, das dir viel bedeutet. Du fliehst zunächst in ein Flüchtlingsheim in deinem Land und hoffst, dass das alles aufhört, dass eine Lösung gefunden wird und du wieder nach Hause zurück kannst. Doch der Bürgerkrieg weitet sich aus und du musst um das Leben deiner Lieben bangen. Stell dir vor, dir bleibt nichts übrig, als dein schwer erspartes Geld, irgendeinem suspekten Menschen zu geben, der dir verspricht, dich und deine Familie bei Nacht und Nebel auf dir unbekannten Wegen außer Landes zu bringen. Vielleicht werdet ihr dabei getrennt. Stell dir vor, wenn alles gut geht, kommst du tatsächlich in ein fremdes Land, du kennst niemanden, sprichst die Sprache nicht, hast kein Geld mehr und nur das, was du tragen konntest, bei dir.

Stell dir vor, du hast Glück und jemand hilft dir. Menschen spenden Kleidung, Wasser, Essen, es gibt eine trockene Unterkunft, in die du mit deiner Familie ziehen kannst. Nur, solange bis du eine Arbeit gefunden hast. Denn du willst ja arbeiten, du kannst ja etwas und hast vorher auch deinen Unterhalt verdient.

Kannst du dir das vorstellen?

Stell dir vor, du wirst angepöbelt und beschimpft, du verstehst nichts, spürst aber, dass du nicht willkommen bist, spürst die Aggressivität. Stell dir vor, jemand setzt dein Flüchtlingsheim in Brand. In einem Land, in dem es keinen Bürgerkrieg gibt, in dem die politische und wirtschaftliche Situation stabil ist, in dem es eine staatliche Grundversorgung gibt, Krankenversicherung, freie Schulbildung. Diese Leute sind nichts anderes als die Terroristen, vor denen du geflohen bist – tausende Kilometer weit.

Kannst du dir das vorstellen?

Beides ist Realität. Flüchtlinge, die all das durchgemacht haben. Die nicht die Absicht haben uns zu schädigen, die einfach Sicherheit wollen. Die auch gern lieber in ihrer Heimat wären. Wer nimmt denn all diese Strapazen auf sich? Würdest du das tun? Wenn es nicht einen guten, einen richtig guten Grund gäbe – das Leben deiner Familie und dein eigenes? Würdest du riskieren, auf dem Weg zu sterben oder deinen Mann, deine Frau, deine Eltern, dein Kind zu verlieren?

Die Menschen, die alles riskieren, alles aufgeben, brauchen Hilfe. Und es tut mir im Herzen weh, wenn ich Menschen sehe, die dann noch nachtreten. Ich schäme mich fremd, wenn ich noch mehr unqualifizierte Kommentare sehen oder lesen muss, von Menschen, die nicht nachdenken. Die aber sicher ganz gern mal zum Griechen essen gehen, oder einen Döner holen, gerne in der Türkei Urlaub machen. Die aber laut gegen Flüchtlinge demonstrieren, einfarbig braun.

Ich mag es bunt. Meine Gedanken sind bunt. Mein Blog ist bunt. Deutschland ist bunt. Aber die Bunten sind oft nicht so laut, wie die anderen. Macht Lärm!

Andere Kulturen bereichern uns, und das merkt man schnell, wenn man einfach mal bedenkt, wie sich unsere Küche in den letzten Jahren verändert hat. Welche Produkte im Supermarkt verkauft werden. Neugier auf Neues ist die Grundvoraussetzung zum Lernen. Zum Lernen ist man nie zu alt.

Und deswegen gibt es zum Abschluss vielleicht noch ein „neues“ Rezept:

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Falafel aus Syrien

für 2 Portionen

  • 1 Dose Kichererbsen
  • 1 kleine Schalotte
  • 1/2 Handvoll Koriander
  • 1 Knoblauchzehe
  • Salz
  • 1 kleines Ei
  • 1/2 TL scharfes Paprikapulver
  • 1/2 TL Kreuzkümmelsamen
  • 3-4 TL Öl zum Ausbacken

Schalotte schälen und grob zerkleinern. Korianderblättchen von den Stängeln abzupfen. Knoblauch schälen und grob zerkleinern. Kichererbsen mit der Schalotte, dem Knoblauch, Ei, Koriander und Paprika mit dem Pürierstab zerkleinern. Kreuzkümmel in einer Pfanne ohne Fett anrösten, bis sie duften, zum Püree geben und untermengen, mit Salz abschmecken. 1-2 TL Öl in einer Pfanne erhitzen und die Falafel darin von beiden Seiten auf mittlerer Hitze goldbraun braten.

Dazu:

Salza Laban – Gurken-Joghurt-Sauce

für 2 Portionen:

  • 1/2 Salatgurke
  • 1/2 kleine Knoblauchzehe
  • 100g Naturjoghurt
  • 5-6 Zweige frische Minze
  • Salz

Gurke  waschen und ggf. schälen, in kleine Würfel schneiden. Knoblauchzehe geschält mit etwas Salz unter einem Messer auf einem Küchenbrett fein zerreiben. Gewaschene und abgetupfte Minzeblättchen abzupfen und in feine Streifen schneiden. Alles mit dem Joghurt vermengen und mit Salz abschmecken.

Abgewandelt aus Vegetarisches aus 1001 Nacht.

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Ich möchte auf Vielfalt nicht verzichten. Nicht auf meinem Teller, nicht in meinen Gedanken. Deutschland is(s)t bunt.

Deutschlandisstbunt-Signet

Arielle lässt grüßen

Eine Meeresbrise ist hier oben ja nichts ungewöhnliches (wenn auch ein paar Kilometer Fahrt entfernt), aber heute zeige ich euch eine zum Mitnehmen. Und dazu bin ich nicht mal in Gummistiefeln am Strand mit einem Einmachglas in der Hand herum gesprungen und habe sie euch eingefangen, das ging ohne weiteres auch in meiner Küche, zumal sie dadurch um einiges exotischer wurde! Herr O. durfte helfen, der hat nämlich ganz tolle Vorschläge nicht nur in gedruckter Form, sondern auch online (englisch allerdings). Wer also noch zweifelt, ob ein Buch von Herrn O. tatsächlich etwas für ihn ist, der kann sich dort gern den Mund wässrig machen lassen. Wobei ich gegen reale Hilfe gar nichts einzuwenden gehabt hätte, denn die Schnippelei dauert für diesen Salat doch schon ein kleines Eckchen, wenn man keinen Julienneschneider oder ähnliches zur Hilfe nimmt. Zum langen Dienstag hatte ich dadurch aber ein frisches, sättigendes aber leichtes Mittagessen. Als Beilage kann ich mir den Salat gut zu gebratenem Fisch oder Garnelen vorstellen und vielleicht einen Tick frischen ungegarten Ingwer oder ein paar Chilifäden/-flocken hinzufügen.

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Salat mit Wakame, Ingwer, Möhren und und und

für eine Portion als Hauptmahlzeit oder zwei als Beilage

  • 12g getrocknete Wakame (gibt es im Asialaden, oder online)
  • 12g frischer Ingwer, geschält
  • 1 Möhre, geschält
  • 1/3 Salatgurke, je nach Geschmack mit oder ohne Schale
  • 1/2 Mango, geschält
  • 20ml Reisessig
  • 1/3 TL Zucker
  • 20g Mandeln (original: gesalzene, geröstete Erdnüsse)
  • 1 TL Sesamsamen
  • ein großzügiger Spritzer Limettensaft
  • ein ebenso großzügiger Schluck Erdnussöl
  • je eine Handvoll Koriander und Minze
  • Salz

Die Algen in einer Schale mit kaltem Wasser bedecken und 30 Minuten stehen lassen, dann abgießen und sanft ausdrücken. Währenddessen Möhre, Ingwer und Mango in feine Streifen schneiden. Kerngehäuse der Gurke mit einem Löffel herausschaben und das Fruchtfleisch ebenfalls in feine Streifen schneiden. In einem großen Topf Wasser zum Kochen bringen, Wakame und Ingwer darin 2 Minuten blanchieren, dann Möhrenstreifen zufügen und weitere 2 Minuten blanchieren. Abgießen, sanft ausdrücken und in eine Schale geben, noch heiß mit dem Reisessig übergießen, Zucker und etwa 1/3 TL Salz zufügen und gut untermischen. Während die Mischung abkühlt in einer Pfanne ohne Fett Mandeln rösten, bis sie leicht duften, salzen und beiseite stellen. Sesam ebenfalls fettfrei rösten, bis er duftet. Koriander und Minze waschen, trocken tupfen, Blätter abzupfen und grob hacken. Ist die Salatmischung abgekühlt, werden die restlichen Zutaten (evtl. bis auf die Mandeln & Sesamsamen) zugegeben und untergemischt. Mit Salz abschmecken (wie gesagt: für mich noch etwas mehr Schärfe). Mandeln und Samen darüber geben.

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Vorher                                                                                Nachher

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Da ich den Salat mit zur Arbeit genommen habe, wurde er abends vorbereitet und die Mandel/Sesammischung habe ich separat in einem Gläschen mitgenommen und erst vor dem Essen darüber gegeben.

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Rezept abgewandelt nach Ottolenghi.

Pan(galaktischer italienischer Brotsalat mit Erdbeeren und Fenchel)zanella?

Oder nicht? Ist es eine Panzanella? Wiki meint, dazu müsse das Brot doch bitte mit Wasser vollgesogen und wieder ausgepresst worden sein. Klassisch ist eine Kombination dieses altbackenen Brotes mit Tomaten, Gurke und Zwiebeln, dazu ein Dressing aus Olivenöl, Essig und Gewürzen, die diesen toskanischen Salat ausmacht. In dieser Mischung kann das trockene Brot auch einfach so etwas durchziehen, ohne, dass man es zuvor in Wasser einweicht. Mein Brot war dazu noch zu frisch, also wurde es in Würfeln angeröstet. Also keine Panzanella? Croûtonsalat? Egal, die Panzanellapolizei wird ja wohl nicht gleich mit Blaulicht vorfahren!

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Die Tomaten wurden durch Erdbeeren ersetzt, neben Gurke kam noch Fenchel dazu, der eine tolle Unterstützung für die Beeren darstellt. Mit reichlich Basilikum und dem tollen Olivenciabatta ein sommerlicher Salat, der auch gut zum Grillen passt.

Panzanella mit Erdbeeren und Fenchel

für 2 Personen als Hauptgericht oder 4-6 als Beilage

– 200 g Erdbeeren

– 100g Ciabatta vom Vortag (bei mir: mit schwarzen Oliven)

– 1/2 grüne Gurke

– 1/4 einer kleinen Fenchelknolle

– 2 Hände voll (rotes) Basilikum

– 2 EL Balsamico

– Salz und frisch gemahlener schwarzer Pfeffer

– 1 TL Honig

– 2 EL Olivenöl und etwas zum Anrösten des Brotes

– etwas milder Ziegen(frisch)käse

Das Ciabatta in mundgerechte Würfel schneiden und mit etwas Öl in einer Pfanne rösten. Gurke waschen, vierteln und das Kerngehäuse entfernen. Erdbeeren waschen, putzen und nach Größe halbieren oder vierteln. Fenchel waschen, in kurze Streifen schneiden, alles in eine Schale geben. Basilikum waschen, trocken tupfen und grob zerreißen, dazugeben. Für das Dressing Balsamico mit Honig, Salz und Pfeffer verschlagen, Öl dazugeben und weiter verschlagen, über den Salat geben. Mit den Brotwürfeln vermengen, Ziegenkäse in Stücken darauf verteilen und servieren.

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Grün-weiß-rot – Erdbeer-Gurken-Salat mit Ricotta

Erdbeeren könnte ich in jede Mahlzeit zaubern. Morgens im Müsli, mittags zum Spargel oder mit Halloumi, als Snack in Joghurt oder pur, abends im Salat.. Ganz zu schweigen von Kuchen, Milchshakes, Cocktails… Erdbeeren sind für mich der Inbegriff des Sommers – einheimische wohlgemerkt. In der Stadt stehen seit wenigen Wochen die Erdbeerhäuschen überall in der Stadt und ich nehme diese Einladung körbchenweise knallrote Beeren (botanisch nicht korrekt, da sind es Sammelnussfrüchte) zu kaufen, gerne an, da braucht es keine langes Überreden.

Die vielen Kombinationsmöglichkeiten, gerade in eher herzhaften Gerichten, habe ich lange noch nicht ausgeschöpft. Aber hier gibt es keine Deadline – der Weg ist das Ziel.

In einem der vorherigen Posts habe ich die Schrot & Korn Ausgabe Mai schon erwähnt, auch das folgende Rezept habe ich daraus – leicht abgewandelt. Die Zitrusnote muss für meinen Geschmack stärker sein, die Süße durch den Honig dagegen etwas zurückgenommen werden. Den cremigen milden Ricotta zu den süßen Erdbeeren und der knackigen Gurke finde ich aber prima!IMG_7160

Erdbeer-Gurken-Salat mit Ricotta

angegeben für 4 Personen als Vorspeise – ich finde die Portionen sehr großzügig und würde eher auf 6 Personen bei einer Vorspeise tippen

– 1 unbehandelte Orange oder Limette (bei mir:Limette)

– 4 EL Honig

– 6 EL Balsamico

– 4 Stiele Zitronenthymian

– 200g Salatgurke

– 600g Erdbeeren

– Salz und frisch gemahlener schwarzer Pfeffer

– 1/2 TL Zucker

– 2-3 EL Olivenöl

– 250g Ricotta

– 3 EL Brunnenkresse (oder wie angegeben 1 Beet Kresse)

Orange oder Limette heiß abwaschen, abtrocknen und mit einem Gemüseschäler dünne Streifen der Schale abziehen (8-10 Streifen, je nach Fruchtgröße). Die Hälfte mit Balsamico, Honig und Thymian in einem Topf aufkochen lassen, dann vom Herd nehmen und ziehen lassen. Die andere Hälfte in sehr feine Streifen schneiden (oder gleich als Zesten abziehen).

Erdbeeren und Gurke waschen und putzen.Erdbeeren in Streifen, Gurke in Stifte schneiden (ich: längs halbiert in Scheiben). Mit Öl, Salz, Pfeffer und Zucker sowie den Schalenstreifen in einer Schüssel vermengen und mindestens 5 Minuten ziehen lassen.

Essig-Mischung durch ein Haarsieb geben. Salat mit Ricotta und der Essig-Mischung anrichten, Kresse darüberstreuen.

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