Viel zu gut

Es kommt schon mal vor, da kauft man mehr, als man für ein Rezept braucht, gerade in einem Ein- oder Zweipersonenhaushalt. Es kommt schon mal vor, da wird das Brot hart, die Äpfel werden schrumplig und die Petersilie lässt langsam die Blätter hängen.

Deshalb alles wegwerfen? Ab in die Tonne damit? Nö! Schließlich ist alles noch gut und genießbar, nichts verdorben. Und es wäre ja bares Geld, was da in den Biomüll wanderte. Schade drum! Klar, jeder Rest für sich genommen macht vielleicht nur einen Centbetrag aus, aber rechnet das mal hoch, das sind doch bestimmt mindestens ein toller Pulli, ein Eintritt im Zoo, vielleicht sogar eine Übernachtung im Urlaub?… im Jahr! Der Durchschnittswert der weggeworfenen Lebensmittel beträgt saftige 235€!

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Dazu kommt noch die Wertschätzung für die Herstellung der Lebensmittel, der Transport, die ganze Arbeit (auch das Recycling), die damit verbunden ist. Die Vorbildwirkung.

Schon allein dafür lohnt es sich doch kreativ zu werden und mit den guten Resten noch etwas Schönes, Leckeres zu machen. Ich bin mir ziemlich sicher, dass jeder solche Gerichte aus seiner Kindheit kennt. Bei mir gab es die übrigen Nudeln vom Vortag mit Zucker in der Pfanne gebraten. Zugegeben, das war nicht mein Lieblingsessen und kam mir seitdem auch nicht mehr auf den Teller. Viel besser war da schon Apfelrösti: Hartes Brot, Äpfel, Rosinen mit Butter, etwas Zimt und Zucker in der Pfanne gebraten. (Wem das bekannt vorkommt: Das hat die Mama bei Biolek aufgeschnappt – schon ein paar Jährchen her.) Und bei vielen gibt es sicher den „Rum-fort-Topf“ oder die Soljanka als typisches Resteessen.

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Im Normalfall würde ich mit den paar Kartoffeln, anderen (schrumpliger Paprika vielleicht) Gemüsen, Eiern und etwas Käse (Feta, Mozzarella, Frischkäse, aber auch Weichkäse sind toll) eine Frittata zaubern. Dieses Mal blieb aber tatsächlich etwas Brot über. Ein paar Frühlingszwiebeln hatten sich bisher auch erfolgreich vor ihrem Schicksal versteckt und – da ist auch noch eine Ecke kräftiger Käse. Perfekt! Zwiebeln sind ja auch meistens da, also gibt es Panade.

Nicht die Panade, die zum Panieren von Fleisch, Fisch etc. verwendet wird, sondern im ursprünglichen Wortsinn: Brotbrei. In einem Haushalt wie unseren, wo viel Brot selbst gebacken wird, ist bewusster, wie viel Arbeit da eigentlich drinsteckt. Daher allein wird so viel wie möglich verwendet.

Das Gericht wird klassisch mit Zwiebeln zubereitet, kann aber ebenfalls mit Kohl, Karotten, Tomaten u.ä. gekocht werden. Wichtig ist, dass das Gemüse etwas karamellisieren kann. Ich habe ein selbst gebackenes Brot mit Weizenvollkornmehl verwendet, es funktionieren aber ebenso Weißbrot oder Brötchen.

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Das einzige, was dafür noch notwendig ist: Etwas Zeit, der Rest ist ganz einfach. Und: Es ist leckerer, als es aussieht!

„Panade“ – französischer Brotauflauf mit Zwiebeln

für zwei Portionen

  • 3 EL Butter
  • etwa 500g Zwiebeln (ich habe Gemüsezwiebel und Schalotten gemischt, aber auch rote Zwiebeln oder gelbe Küchenzwiebeln sind vollkommen ok und in unterschiedlichen Verhältnissen mischbar)
  • 1 Stange Lauch oder 4-5 Frühlingszwiebeln
  • Salz und frisch gemahlener schwarzer Pfeffer
  • 1 TL Zucker (ich habe braunen verwendet, weißer geht auch)
  • ca. 350g Brot
  • 750ml Gemüse- (oder Hühner-/Rinderbrühe)
  • 120g kräftiger Käse wie Bergkäse, Gruyere oder Cheddar
  • nach Belieben 1 TL Sherry

Die Zwiebeln schälen und in feine Ringe schneiden. Lauchzwiebeln oder Lauch waschen und zunächst nur die weißen teile in feine Ringe schneiden.

2 EL Butter in einem schweren Topf zerlassen und die Zwiebeln dazugeben. Etwas salzen und dann mit aufgesetztem Deckel 45-60 Minuten weich und glasig dünsten. Dabei ab und an umrühren.

Währenddessen das Brot in etwa 3x3cm große Würfel schneiden und bei 175°C im Backofen auf einem mit Backpapier ausgelegtem Backblech rösten. Lauch(zwiebel)grün in feine Ringe schneiden und den Käse reiben. Gemüsebrühe erhitzen.

Zu den Zwiebeln nun Zucker zugeben und unter ständigem Rühren etwa 10 Minuten karamellisieren lassen. Dabei immer wieder Boden und Rand des Topfes von den Bratenspuren mit einem Kochlöffel abschaben und unter das Gemüse mischen.

Die Zwiebeln werden dabei ebenfalls braun und weicher. Den Topf vom Herd nehmen und das Brot untermengen. Zwiebel-Brot-Mischung nun in eine Aufflaufform geben. Die heiße Brühe in den Topf geben und ggf. noch einmal aufkochen, damit sich die Bratenreste lösen und in die Brühe übergehen.

Die heiße Brühe nun auf das Brot in die Form geben. Die Brotwürfel etwas untertauchen und etwa 5 Minuten warten, bis Flüssigkeit aufgenommen wurde. Dann das Brot nochmal untertauchen. Den Käse über die Mischung verteilen, nach Belieben mit Sherry besprenkeln und die restliche Butter in Flöckchen daraufsetzen.

Bei 175°C 50-60 Minuten goldbraun backen.

Leicht abgewandelt nach klick.

Die Initiative Zu gut für die Tonne bzw. #Restezauber des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft hat neben harten Fakten auch nützliche Tipps zur Vermeidung von Resten bzw. zur Verwertung. Es gibt außer der App mit Resterezepten auch über 500 Rezepte in der Datenbank und einen Test, um sein Wissen zu prüfen.

Und auch bei mir gibt es schon ein paar Resteverwertungsrezepte: mit Lachs, Kürbis, Reis, Nudeln & Linsen, Rote Bete, Shakshuka

 

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